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Europäische Themenroute | Bergbau

Kohle aus europäischen und amerikanischen Bergwerken war der Universal-Brennstoff der Industrialisierung – trotzdem spielten technische Innovationen in der Geschichte des Bergbaus lange eine unbedeutende Rolle. Ursache war das anhaltende Überangebot an Arbeitskräften: Die Gruben-Besitzer konnten höhere ... mehr

Icon: BergbauDie Schätze unserer Erde. Europäische Themenroute Bergbau

Kohle aus europäischen und amerikanischen Bergwerken war der Universal-Brennstoff der Industrialisierung – trotzdem spielten technische Innovationen in der Geschichte des Bergbaus lange eine unbedeutende Rolle. Ursache war das anhaltende Überangebot an Arbeitskräften: Die Gruben-Besitzer konnten höhere Förderleistungen einfach durch Anstellung weiterer Arbeiter erreichen. Aus demselben Grund konnten sie sich auch sehr lange einer Verbesserung der katastrophalen Arbeitsbedingungen entziehen. 

So blieben die technischen Entwicklungen des Mittelalters, die vor allem aus dem Silber- und Gold-Bergbau Mitteleuropas stammten, für Jahrhunderte wegweisend. Energie lieferte die Wasserkraft: Um das Wasser zu heben, das in der Tiefe in die Gruben eindrang, installierte man über und unter Tage große Wasserräder und verband sie durch ausgeklügelte Gestänge mit Saugpumpen. Die abgebauten Erze wurde ebenfalls mithilfe der Wasserkraft nach über Tage gefördert. Später baute man Stauteiche, um von der schwankenden natürlichen Wasserversorgung unabhängig zu werden: Der Okerteich im Harz, um 1720 entstanden, gilt als erste Talsperre Europas. 

Zu dieser Zeit waren die oberflächennahen Bodenschätze vielerorts abgebaut, doch in größeren Tiefen brauchte man immer größere Wasserräder zum Antrieb der Pumpen. Eine effizientere Lösung bot die Wassersäulenmaschine, die 1731 in Frankreich vorgestellt wurde: Aus großer Höhe herabstürzendes Wasser stieß einen Kolben nach unten, der nach dem Arbeitstakt entleert wurde und wieder nach oben stieg. Die entscheidende Innovation war jedoch die Dampfmaschine. 1712 wurde die erste, entwickelt von Thomas Newcomen, für die Hebung von Grubenwasser in einer Zeche bei Wolverhampton genutzt. Andere britische Bergwerke zogen rasch nach. Newcomens Dampfmaschinen fraßen zwar Unmengen Brennstoff, aber was machte das, da sie doch direkt über den Kohlevorkommen standen? Auf dem Kontinent kamen nur einige in den belgischen Revieren um Lüttich und Mons zum Einsatz. Dank Verbesserungen an Newcomens Modell und neuer Maschinen von James Watt setzte sich die Dampftechnik um 1800 schließlich durch. 

Die Kohle-Gewinnung war damals bereits zum führenden Zweig des Bergbaus geworden. In Großbritannien war es schon 1709 gelungen, Koks aus Steinkohle zu gewinnen. Gegen Ende des Jahrhunderts hatte sich der neue Brennstoff in der Eisen-Verhüttung weithin verbreitet. Damit schnellte die Kohlenachfrage auf der britischen Insel rapide nach oben: Weitere Verbesserungen der Abbautechnik waren nötig. Die Förderung wurde mit Dampfmaschinen effizienter, zudem ersetzte man die alten Förderseile aus Hanf durch Drahtseile, die 1834 im Harzer Metallerz-Bergbau entwickelt worden waren. In britischen Kohlezechen wurden Aufzüge in die Förderschächte eingebaut, obendrüber stellte man hölzerne Fördergerüste für die Seilscheibe auf.

Bei der Bewetterung wurden die neuen technischen Möglichkeiten aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht umgesetzt. Frischluft brauchen ja nicht nur die Bergleute unter Tage, sondern damit lässt sich auch die Konzentration entzündlicher Grubengase, der „schlagenden Wetter“, wirksam verringern. Daher wurden 1807 in britischen Revieren Luftpumpen erprobt, doch den Grubenbesitzern war die Investition zu hoch. Weiterhin kamen viele Bergleute bei der Explosion von Grubengasen zu Tode. Auch das offene Geleucht - Kerzen und Öllampen - trug zum Explosionsrisiko bei. Der Wissenschaftler Humphry Davy entwickelte 1815 eine erste wirksame Sicherheitslampe, deren Flamme durch ein hauchdünnes Drahtgitter vom Grubengas abgeschirmt war.

Die Arbeit unter Tage blieb hochgefährlich und extrem gesundheitsschädlich: durch das Risiko von Schlagwetter-Explosionen oder Deckeneinbrüchen und durch die kräftezehrende Handarbeit. Der Hauer wurde mit Hacke, Eisen und Schlägel in Strecken geschickt, die mangelhaft gesichert, schlecht belüftet und manchmal gerade so hoch waren, dass er darin liegen konnte. Die Kohle kam dann zum Transport in Körbe oder auf niedrige Wagen. Diese „Hunde“ wurden von Pferden über hölzerne oder eiserne Schienen gezogen – soweit die Strecken hoch genug waren: Andernfalls mussten Menschen die Wagen stoßen und ziehen. In britischen Kohlegruben bewegten oft auch Frauen und Kinder, auf allen Vieren kriechend, Kohle-Lasten von bis zu 250 Kilogramm.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche neue Abbau-Maschinen patentiert. Der Engländer Richard Trevithick erfand einen rotierenden, dampfgetriebenen Bohrer, dann folgten Kolben-Bohrer nach dem Vorbild der Dampfmaschine. Die Geräte hätten die Arbeit des Hauers erleichtert, doch der Aufwand für die Energieversorgung unter Tage war den Bergwerksbesitzern zu teuer. Ein Fortschritt zeichnete sich erst durch den Druckluftantrieb ab, der 1853 erstmals eingesetzt wurde.

Seit den 1840er Jahren entstanden vor allem auf dem Kontinent massive Fördertürme in Bruchstein- oder Ziegelmauerwerk. Sie konnten die Zugkräfte des Förderseils, das in immer größere Tiefen hinabgelassen wurde, besser auffangen als die alten, hölzernen Konstruktionen. Die „Malakow-Türme“, nach einem Fort auf der Krim benannt, mussten oft schon nach wenigen Jahrzehnten mit einem Stahlgerüst erhöht werden – bis man sie gegen Ende des Jahrhunderts schließlich durch noch höhere Stahlgerüste ersetzte.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert verbreiteten sich in den USA und Großbritannien allmählich Schrämmaschinen, eine Entwicklung britischer Innovatoren: Mit Meißeln auf beweglichen Scheiben, Stangen oder Ketten ausgerüstet, schlugen die Maschinen unterhalb der Kohle den „Schram“ ins Gestein: einen waagerechten Spalt, der das Abhauen der Kohle erleichterte. Den Bergleuten brachten sie eine physische Arbeitserleichterung, aber eine neue Belastung durch den Lärm. Außerdem übertönten sie die Geräusche des Deckgebirges, die Einstürze ankündigten. Man trieb die Schrämmaschinen zunächst mit Druckluft an. Nachdem man Elektromotoren so kapseln konnte, dass weder Funkenflug von ihnen ausging noch Schmutz eindrang, folgte die Umstellung auf Elektrizität.

Wo die Kohlevorkommen weicher waren, erwies sich ein druckluft-getriebener Abbauhammer als vorteilhaft. In belgischen Steinkohlegruben entwickelt, revolutionierte er nach dem Ersten Weltkrieg auch den Bergbau an der Ruhr – und allmählich zog das Ende der untertägigen Handarbeit herauf, die seit dem Mittelalter fast unverändert betrieben worden war.
Die Kohle wurde vom Abbauort nun zunehmend über Rutschen abtransportiert, die an Ketten hingen und mithilfe von Pressluft geschüttelt wurden. In den 1920er Jahren begann man, Bergwerke mit elektrisch angetriebenen Förderbändern auszurüsten. Durch Strecken mit größerem Durchmesser fuhren Grubenbahnen mit Elektrolokomotiven. Für den Abbau benutzte man 1934 in Großbritannien erstmals einen Schrämlader, der die Kohle in einem Arbeitsgang lösen und und verladen konnte. Die Alternative für weichere Vorkommen war der Kohlenhobel, in Frankreich und den USA erprobt, von westfälischen Ingenieuren 1937 zur Serienreife gebracht: Er hobelte die Kohle ab, während er an der Flözwand entlanggezogen wurde und beförderte sie gleich auf ein Förderband. Ab den vierziger Jahren begann dann die vollmechanisierte Kohlegewinnung.

Weiterführende Links
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Standorte

Tredegar | Vereinigtes Königreich
Eines der bemerkenswertesten und zugleich passendsten Monumente der Kohlebergwerksindustrie findet sich in Bedwellty Park, Tredegar, einem um 1800 gegründeten Bergwerksort im Sirhowy-Tal. Dort liegen zwei kolossale Kohlestücke unter einer eigens angefertigten Schutzvorrichtung. Das eine, 15 Tonnen ...
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Bedwellty Park
Bedwellty House
Morgan Street
NP22 3 Tredegar, Vereinigtes Königreich

Upper Weardale | Vereinigtes Königreich
Das Gebiet der North Pennines in der Grafschaft Durham war über viele Jahrhunderte eines der ergiebigsten englischen Herkunftsgebiete für Blei. Entsprechend überziehen Reste von Stollen, Schächten und Anlagen zum Schlämmen von Erzen die Landschaft. In Allendale sind zwei längliche Rauchkanäle einer ...
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Killhope, The North of England Lead Mining Museum
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DL13 1AR Upper Weardale, Vereinigtes Königreich

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Das Museum für Bleibergbau ist im malerisch gelegenen Dorf Wanlockhead zuhause, dem höchsten Ort Schottlands. Besucher können den Museumsrundgang durch einen Ausflug in die Bleimine aus dem 18. Jahrhundert ergänzen, ein Stollenbergwerk, das sich tief in den Hang bohrt. Die sogenannten Straitsteps ...
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Schottisches Museum für Bleibergbau
ML12 6UT Wanlockhead Village, Vereinigtes Königreich

Wentworth | Vereinigtes Königreich
Wentworth Woodhouse ist eines der schönsten und prächtigsten Häuser der georgianischen Zeit (englischer Architekturstil des 18. und früheren 19. Jahrhunderts). Überdies zählt es zu den teuersten Gutshäusern überhaupt und gilt als einer der größten und bedeutendsten britischen Landsitze. Hier ...
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Wentworth Woodhouse
S62 7TQ Wentworth, Vereinigtes Königreich

Whitehaven | Vereinigtes Königreich
Whitehaven ist einer der spektakulärsten Häfen in England. Seine Gründung im 18. Jahrhundert diente einerseits dazu, um Kohle von den Zechen entlang der Küste der Grafschaft Cumbria zu verschiffen, und ermöglichte andererseits Händlern die Einfuhr von Tabak und Zucker aus Amerika. Whitehaven lag in ...
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Bergbaumuseum Zeche Haig
Solway Road Kells
CA28 9AN Whitehaven, Vereinigtes Königreich

Wrexham | Vereinigtes Königreich
Das Grubenunglück vom 22. September 1934 in Gresford — heute ein Vorort von Wrexham — war eines der schlimmsten in der Geschichte Großbritanniens. An dieses Unglück wird heute auf verschiedene Weise erinnert.Henry Dennis und sein Sohn Henry Dyke Dennis bauten die Zeche in Gresford ab 1907 aus. In ...
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Gresford Denkmal
A N Palmer Centre Wrexham Museum
Regent Street
LL11 1RB Wrexham, Vereinigtes Königreich

Die Kupferstraße von Zypern ist eine Selbstfahrtroute zu den Hinterlassenschaften des Kupferbergbaus. Zypern war in der Antike der größte Kupferlieferant und hat mit seinem Namen sogar das Wort "Kupfer" geprägt. Ein großes Bergwerk ist noch in Betrieb - die Kupfermine Skouriotissa der Firma Hellenic ...
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Museum der Bergbaugeschichte | Zyprische Kupferroute
1, Palaiou Scholiou Street
Katydata, Zypern

Mitsero | Zypern
Mitsero ist ein Dorf in einer dicht bewaldeten Gegend im Zentrum Zyperns, 28 km südwestlich von Nikosia. Probebohrungen in den 1920er Jahren führten zur Entdeckung von Gold- und Silbererzen. Deren Förderung übernahm die Hellenic Mining Co., die jedoch zum Ende des Jahrzehnts ihren Betrieb ...
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Geopark Troodos
40 Archbishop Makarious III Avenue
2622 Mitsero, Zypern

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