"ERIH INDUSTRIEKULTUR-BAROMETER"

ERIH-ERHEBUNG ZUR LAGE DER INDUSTRIEKULTUR IN EUROPA

Seit dem Jahr 2018 führt ERIH in Kooperation mit dem Referat Statistik und Umfragen des Regionalverband Ruhr eine Erhebung zur Lage der Industriekultur in Europa durch. Die Daten aus der europaweiten Umfrage helfen ERIH bei der Zusammenarbeit mit Politikern, der Presse und der Öffentlichkeit. Sie sind auch dabei behilflich, Prioritäten bei Aktivitäten und Projekten zu setzen, die einer möglichst effektiven Weiterentwicklung des Netzwerkes dienen. 

ERIH Industriekultur-Barometer 2021/21


Im Jahr 2020 hatten wir die Erhebung aufgrund der Coronavirus-Pandemie zunächst ausgesetzt und nachdem sich die Pandemie ausbreitete, auf das Jahr 2021 verschoben. Die Umfrage für das ERIH Industriekultur Barometer haben wir unter Einbeziehung der Daten aus den Jahren 2019 und 2020 durchführen, ergänzt um einige zusätzliche Fragen zum Umgang der Standorte mit der Pandemie. So ist es uns möglich, die Auswirkungen der Pandemie im jährlichen Vergleich zu bewerten.

Wen haben wir wie befragt?
Aus den ERIH vielfach gestellten Fragen haben wir einen Fragenkatalog zu den Themengruppen Kerndaten, Zielgruppen, Perspektiven und Maßnahmen erstellt, der im Rahmen einer europaweiten Online-Befragung im Mai 2021 zum Ausfüllen bereitgestellt wurde.

Angeschrieben wurden 376 Betreiber von industriekulturellen Standorten, und zwar alle Mitglieder des ERIH e.V. sowie alle Standorte der Industriekulturrouten im Baskenland (E), Ruhrgebiet (D) und Schlesien (PL).

Zusammenfassung der Ergebnisse
Von den angeschriebenen Standorten haben 73 aus 12 Ländern an der Erhebung teilgenommen. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Ergebnisse der europaweiten Befragung; das vollständige 'ERIH Industriekultur Barometer 2020/21' finden Sie unten im Downloadbereich.

Kerndaten
Von den teilnehmenden Standorten

  • steht fast die Hälfte (48%) im öffentlichen Eigentum, 36% werden durch private Einrichtungen, 14% durch Stiftungen und 8% in sonstiger Trägerschaft betrieben
  • haben 80% ganzjährig, 20% saisonal geöffnet
  • sind alle auf öffentliche Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe zur Finanzierung des laufenden Betriebs angewiesen
  • haben 39% 1-5 Vollzeitbeschäftigte, 19% 11-20 Beschäftigte, 8% mehr als 50 Beschäftigte

Zielgruppen
Die Einrichtungen der Industriekultur sprechen breite Bevölkerungsschichten (allgemeine Öffentlichkeit: 68 Nennungen von den 73 teilnehmenden Standorten, Familien: 62 Nennungen) an. Zudem verfolgen sie einen wichtigen Bildungsauftrag; für 32  Standorte sind Schüler eine wichtige Zielgruppe. Die im Tourismus wichtigen Zielgruppen (Senioren 50+: 53, Bildungsreisende: 40, Junge Leute: 60 und die Mice-Gruppe: 29) haben einen hohen Stellenwert.

Besucher
Die Orte der Industriekultur verfügen aufgrund ihrer hohen Attraktivität über eine überregionale Ausstrahlung: 60% der Besucher kommen aus der Region, 30% aus dem jeweilen Land und 10% sind internationale Gäste.

Die jährlichen Besucherzahlen sind sehr unterschiedlich und hängen unter anderem von der Lage, der Größe und der Attraktivität des Standortes ab. Generell sind die Besucherzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Allerdings führte die Corona Pandemie im Jahr 2020 zu einem erheblichen Einbruch.

Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020
Aufgrund der behördlich angeordneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie

  • mussten die Standorte an der Hälfte der vorgesehenen Öffnungstage geschlossen werden
  • fanden die meisten Öffnungstage unter Corona-Einschränkungen statt
  • konnten Sonderveranstaltungen, Vermietungen etc. nicht durchgeführt werden
  • gingen die Besucherzahlen im Vergleich zu 2019 um 56% zurück
  • entwickelten 79% aller Standorte Ersatzangebote während der koronabedingten Schließungen
  • sind Umsatzeinbußen in Höhe von 28 % im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen
  • mussten 34 % der Standorte Personal abbauen (insbesondere Saisonkräfte)
  • Finanzielle Unterstützung für Corona-bedingte Einnahmeausfälle:
    - von der öffentlichen Hand: erhielten 51% der Standorte (die öffentlichen Mittel sind um 12 % höher als im Jahr 2019)
    - von anderen: erhielten 24% der Standorte
  • sehen 14% ihren Standortbetrieb als dauerhaft gefährdet an