Bethel Henry Strousberg (1823 – 84)

Strousberg, mit Geburtsnamen Baruch Hirsch Strousberg, war Bahnunternehmer und stammt aus einer ehemals in Neidenburg ansässigen jüdischen Familie (damals Ostpreußen, heute Nidzica in Polen). Er besuchte eine Sekundarschule in Kőnigsberg (damals Ostpreußen, heute Kaliningrad in Russland) und änderte früh seinen Namen.

1839 zog er nach London und heiratete sechs Jahre später eine Engländerin. Im Jahr 1847 veruntreute er Geld von einer Bausparkasse und kaufte damit eine Schiffspassage in der Hoffnung, in die Vereinigten Staaten zu gelangen, wurde aber verhaftet, nachdem sein Schiff durch Treibstoffmangel gezwungen war, in den Hafen zurückzukehren, und verbüßte eine sechsmonatige Gefängnisstrafe. 1849-50 ging er dann tatsächlich mit Frau und Familie in die Vereinigten Staaten, kehrte aber später nach England zurück, wo er sich beruflich im Verlags- und Versicherungswesen engagierte.

Anfang der 1860er Jahre ging er zurück nach Deutschland, wo er 1862 den Bau der Ostpreußischen Südbahn von Tilsit nach Insterburg verantwortete, 1865-67 gefolgt von der Bauleitung für die Eisenbahn von Berlin nach Gőrlitz. Die Endstation war ein bemerkenswertes Gebäude mit Blick auf den Spreewaldplatz, das auf Pläne des Architekten August Orth (1828-1901) zurückging. Orth entwarf auch das Palais Strousberg in der Wilhelmstraße, das als "der erste moderne Palast Berlins" galt. Die Interessen von Strousberg gingen weit über die Eisenbahn hinaus. Er betrieb die Berliner Viehmärkte und erwarb die Maschinenfabrik von Georg Egestorff in Hannover, aus der später das Maschinenbauunternehmen Hanomag hervorging. Überdies beteiligte er sich an Eisenbahnspekulationen im heutigen Rumänien, die allerdings zu seinem finanziellen Ruin führten. Seine Unternehmen wurden 1872 liquidiert, 1875 wurde er für bankrott erklärt und 1876 in St. Petersburg wegen Betrugs vor Gericht gestellt.

Das Palais Strousberg diente später als britische Botschaft, wurde aber durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört, ebenso wie der Gőrlitzer Bahnhof.

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