Philip Sidney Stott (1858 – 1937)

Sidney Stott war das bekannteste Mitglied einer Familie von Architekten aus Lancashire, England, die sich auf den Bau von Tuchfabriken spezialisierten, die heute noch überall in Europa und weiter entlegenen Regionen zu sehen sind. Der erste Architekt dieser Familie war der Großvater Sidney Stotts, James Stott. Er hatte zwei Söhne: Abraham Henthorn Stott (1822–1904) war Lehrling von Sir Charles Barry (1795–1860) in London und gründete bei seiner Rückkehr nach Oldham die Firma AH Scott & Sons. Joseph Stott (1836–1894) war ebenfalls Architekt. In späteren Jahren waren die Brüder zerstritten.

Sidney Stott war der dritte Sohn Abraham Henthorn Stotts und arbeitete zeitweise zusammen mit seinem Vater, bevor er 1883 ein eigenes Architekturbüro eröffnete. 1885 entwarf er seine erste Fabrik in Chadderton, nahe seinem Geburtsort, und war danach für 22 Tuchfabriken auf dem Gebiet Oldham und 55 anderenorts in Lancashire, mit einer Kapazität von neun Millionen Spindeln, verantwortlich. Die meisten waren aus harten, roten Ziegeln mit Ziegelgewölben an Stahlrahmen gebaut und wurden mit Türmen versehen, die Sprinkleranlagen-Speicher enthielten. Sein letztes Werk, die Magpie Mill No. 2, wurde 1915 in Oldham fertiggestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Nachfrage nach neuen Baumwollspinnereien nach und Stott wandte sich der Politik zu. 1913 erwarb er ein Anwesen in der Nähe von Broadway, Cotswolds. 1923 übergab er der Konservativen Partei ein Haus in Northamptonshire als Ausbildungsstätte und für den politischen Austausch. Als man es 1929 schloss, trat er aus der Partei aus.

Stotts Textilfabriken im „Oldham-Stil“ wurden in Indien, im niederländischen Enschede und in Bocholt, Chemnitz und Rheine gebaut.