Alfred Williams (1877 – 1930)

(Owen) Alfred Williams war Dichter und Schriftsteller. Zugleich war er mehr als 20 Jahre im Lokomotivwerk der Great Western Railway in Swindon angestellt. Sein Bericht darüber ist eines der lebendigsten und beredtesten Zeugnisse über den Alltag in einem großen Ingenieurbetrieb, das je aus der Sicht eines Arbeiters verfasst wurde.

Williams wurde in South Marston geboren, einer Gemeinde in der Nachbarschaft von Swindon, in der sich viele der Beschäftigten aus dem Eisenbahnwerk angesiedelt hatten. Sein Vater war ein Holzarbeiter aus Conwy in Nordwales, seine Mutter dagegen kam aus der Gegend. Seine Frau, die er 1903 heiratete, war die Tochter eines Formgießers. Williams selbst war sein Leben lang Autodidakt. Als Jugendlicher brachte er sich auf eigene Faust Latein und Griechisch bei und besuchte 1900 eine Lehrveranstaltung in Ruskin Hall (heute Ruskin College), Oxford. Seinen Militärdienst in Indien während des Ersten Weltkriegs nutzte er dazu, Sanskrit zu lernen. Im Lokomotivwerk bediente er vorwiegend die Hammermaschinen, und zwar in den Jahren 1892 bis 1914. Danach zwangen ihn gesundheitliche Gründe, eine Beschäftigung an der frischen Luft als Gemüsepflanzer zu suchen.

Seine erste bedeutende Publikation, Songs of Wiltshire, erschien 1902, zehn Jahre später gefolgt von A Wiltshire Village. Wie viele seiner Zeitgenossen hegte er großes Interesse für das Landleben und seine Geschichten und verfolgte das Ziel, für die Nachwelt „ein dauerhaftes Zeugnis der Sprache und der Begebenheiten der Gegend, in der ich lebe“, aufzuzeichnen. Aus dem Rahmen fiel er allerdings dadurch, dass er auch Gefallen an der Beschreibung der Schwerindustrie fand.

Sein Life in Railway Factory (Leben in einer Eisenbahnfabrik), erschienen 1915, bietet lebendige Einblicke in einen Arbeitsalltag, der entfremdende und oftmals brutale Züge trug. Die Darstellung hat in der englischen Literatur kaum Parallelen und wurde mehrfach nachgedruckt. Nach seiner Rückkehr aus Indien bauten Williams und seine Frau in den Jahren 1920-21 in South Marston ein Haus, dem sie den indischen Namen Ranikhet gaben. Er veröffentlichte weiterhin volkstümliche Geschichten und Lieder seines Heimatdistrikts Vale of the White Horse und publizierte 1924 eine Sammlung seiner Gedichte.

Denkmäler in Liddington Hill und Barbury Hill halten das Andenken an ihn aufrecht.

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