Kenneth Hudson (1916 – 99)

Kenneth Hudson war einer der Vorreiter in der Erforschung des industriellen Erbes in seinem Heimatland England sowie in den meisten Ländern Europas. Er wurde im Norden Londons geboren und studierte am University College London Anglistik. Während des Zweiten Weltkriegs verweigerte er den Kriegsdienst. Nach dem Krieg wurde er aber wegen seiner fließenden Deutschkenntnisse einberufen, um für die Alliierten an der Entnazifizierung Deutschlands mitzuwirken. 1947 trat er in die Erwachsenenbildungsfakultät an der Universität von Bristol als Lehrbeauftragter in Somerset ein, zog aber 1954 nach Bristol, um bei der BBC (British Broadcasting Corporation) als Produzent und Industrie-Korrespondent zu arbeiten. Zwischen 1966 und 1972 war er am Bristol College of Science and Technology beschäftigt, das später zur Universität Bath wurde, und arbeitete dann als selbstständiger Autor und Berater. Er war während der 1960er Jahre aktiv an den Jahrestagungen seines Fachbereichs in Bath beteiligt. Diese Tagungen beeinflussten die wachsende Bedeutung der Industriearchäologie in Großbritannien und zogen wichtige ausländische Vertreter an, wie zum Beispiel Marie Nisser aus Schweden. Er unternahm umfangreiche Reisen durch den europäischen Kontinent und wurde insbesondere als der Museumswissenschaftler bekannt, der die Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres“ schuf. Der Kenneth-Hudson-Preis trägt seinen Namen und zeichnet die ungewöhnlichste und wagemutige museale Gestaltung aus, die die Rolle der Museen in der Gesellschaft aus einem neuen Blickwinkel heraus beleuchtet. Seit 2010 wird dieser Preis vom Europäischen Museumsforum verliehen.

Er schrieb über 50 Bücher, viele davon auf dem Gebiet der Industriekultur und über Museen, aber auch einige zu vollkommen anderen Themenbereichen. Zu seinen einflussreichsten Werken gehören Industrial Archaeology: an Introduction (1963), die erste Monografie zu diesem Thema; The Industrial Archaeology of Southern England (1965), eine der ersten Regionalstudien; Air Travel: a Social History (1972), das sein Anliegen verdeutlicht, dass historische Forschung sich auf die Gegenwart beziehen sollte, und Where we used to work (1980), welches den Wert von Zeitzeugenbefragungen für die Forschung veranschaulichte. Er war auch federführend bei zwei maßgeblichen Nachschlagewerken, die er zusammen mit Ann Nicholls verfasste: The Cambridge Guide to the Museums of Britain and Ireland (1987) und The Cambridge Guide to the Museums of Europe (1991). Er reagierte oftmals ungeduldig auf Schriften universitärer Historiker, da ihn die Geschichten der Menschen weitaus mehr beschäftigten. Ein Freund fasste seine Rolle prägnant zusammen, indem er ihn als „Ideengeber und keinen akribischen Historiker“ beschrieb. Trotzdem war sein Einfluss tiefgreifend.

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