Caroline Haslett (1895 – 1957)

Aus einem bescheidenen Elternhaus entwickelte sich Caroline Haslett zu einer mächtigen Vorkämpferin für den Nutzen der Elektrizität, die das tägliche Leben erleichtern und insbesondere den Frauen größere Freiheit geben sollte.

Sie wurde in Sussex als eines von fünf Kindern eines Bahnsignal-Schlossers geboren, der auch als Laienprediger aktiv war und sich in der Genossenschaftsbewegung engagierte. Als im Ersten Weltkrieg viele Frauen Arbeiten übernahmen, die bisher von Männern erledigt worden waren, wurde sie Angestellte im Londoner Büro der Cochran Boiler Company, die James Taylor Cochran 1878 für die Produktion patentierter stehender Kessel gegründet hatte. 1898 hatte die Firma in Newbie bei Annan in Südschottland eine Fabrik und Wohnungen für ihre Angestellten gebaut. Caroline Haslett bekam die Chance, in der Fabrik eine Grundlagen-Ausbildung für Ingenieure zu absolvieren. Danach setzte sie sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung dafür ein, dass man elektrische Energie nutzte, um Frauen Berufe zu öffnen, die bis dahin Männern vorbehalten gewesen waren.

1919 wurde sie erste Geschäftsführerin der „Women's Engineering Society“ und gründete noch im selben Jahr eine Zeitschrift mit dem Titel „The Woman Engineer“, die sie von nun an selbst herausgab.  Sie arbeitete eng mit Lady Katherine Parsons (1859-1933) zusammen, deren Ehemann Sir Charles Parsons (1854-1931) selbst als Ingenieur tätig war. 1924 referierte sie auf der Welt-Energie-Konferenz in London eloquent über die Vorzüge der Elektrizität im Haushalt. Auf einer Folge-Konferenz 1930 in Berlin traf sie Albert Einstein (1879-1955) und erklärte dem Berliner Stadtblatt, dass brillante Erfinder selten gute Lehrer seien und dass es Frauen brauche, um Frauen über das Potential elektrischer Innovationen aufzuklären. Ihr Besuch führte zur Gründung eines deutschen Frauen-Ingenieurs-Vereins, den die Nationalsozialisten kurz nach ihrer Machtübernahme 1933 auflösten.

1932 wurde sie Vorsitzende des Home Safety Committee in Großbritannien, 1936 reiste sie in die Vereinigten Staaten, wo sie das Edison-Museum besuchte, Kraftwerke der Tennessee Valley Authority besichtigte und Henry Ford (1863-1947) traf. Sie war unter den Gründern der „Electrical Association for Women“, die in Bristol ein „Elektrisches Haus“ sponserte, das 1935-36 große Aufmerksamkeit fand. Von 1946-54 war sie die einzige Frau in der Leitung des British Institut of Management und 1953 wurde sie die erste weibliche Vorsitzende der British Electrical Development Association. Sie war ebenfalls das einzige weibliche Mitglied in einem 20 Personen-Komitee des Instituts der Elektroingenieure, das während des Ersten Weltkriegs eingerichtet wurde und die Nachkriegsstandards für Haushaltsgeräte festlegte, unter anderem die bekannte, kindersichere 13-Ampere-Kombination von Stecker und Steckdose nach dem Britischen Standard  BS 1363. Sie genoss hohes Ansehen als Ratgeberin für Mädchen-Erziehung und hatte in ihrem Büro bei der Electrical Association for Women lange ein Zitat von Émile Zola (1840-1902) hängen: „Der Tag wird kommen, wenn Elektrizität für alle da sein wird wie das Wasser in den Flüssen und der Wind des Himmels. Man sollte sie den Menschen nicht einfach bereitstellen, sondern sie damit überschütten, so dass sie sie nach Gutdünken nutzen können wie die Luft, die sie atmen.“

× schließen
WORK it Out – Day of Industrial Culture

Diese Webseite nutzt Cookies