Coco Chanel (1883 – 1971)

Die Laufbahn von Coco Chanel ist ein Beispiel für den großen Einfluss der Markennamen im 20. Jahrhundert – und sie zeigt, wie sich der Markt für Luxusartikel von einer schmalen Nische für Reiche auf ein breites Käuferspektrum ausgeweitet hat.

Chanel wurde in Saumur in Frankreich als Tochter einer Wäscherin aus einem Armenhospital und eines Hausierers geboren und wuchs in einem nahegelegenen Konvent der Gemeinschaft zum Heiligen Herzen auf, der verlassenen und verwaisten Mädchen Zuflucht bot. Sie erlernte den Beruf der Näherin, fühlte sich aber von der Unterhaltungsbranche angezogen. Chanel arbeitete als Sängerin und servierte Heilwasser im Kurort Vichy und begann eine Reihe Affären mit wohhabenden Männern, die eine Grundlage für ihren geschäftlichen Erfolg wurden. 1906 wurde sie die Geliebte von Étienne Balsan (1878-1953), dem Erben eines Textilunternehmens, das den größten Teil der französischen Armee mit Kleidung versorgte. Während sie mit ihm zusammenlebte, hatte sie ihre ersten Erfolge mit dem Design von Hüten. Ab 1909 ließ sie sich mit dem englischen Polospieler Arthur Edward "Boy" Capel ein (1881-1919), der ihre ersten Ladengeschäfte finanzierte: 1913 in Deauville und 1915 gegenüber dem Kasino von Biarritz. Danach wurde sie die Geliebte des russischen Großherzogs Dimitri Pavlovic (1891-1942) und gründete 1919 eine "Maison de Couture" in der Rue Cambon 31 in Paris. 1920-21 bot sie dem russischen Komponisten Igor Strawinski Unterkunft und förderte mit finanziellen Garantien die erste Produktion seines Werks "Le Sacré de Printemps".

Sie verkehrte in der High Society und brachte 1922, während eines Pferderennens in Longchamps, Pierre Wertheimer (1885-1965) und Théophile Bader (1864-1942), dem Gründer des Kaufhauses "Galéries Lafayette", ihre Idee für ein neues Parfüm mit dem Namen Chanel No. 5 nahe. Es kam mit großem Erfolg auf den Markt. Ihre Beziehung zu Wertheimer zerbrach während des Zweiten Weltkriegs, als sein Anteil an den Rechten an Chanel No. 5 an sie zurückübertragen wurden, weil er Jude war. Er erhielt sie jedoch 1945 zurück. Eine zehnjährige Affäre unterhielt sie mit dem britischen Aristokraten Hugh Großvenor, dem Second Duke of Westminister (1879-1953), der ihr ein Haus im Londoner Stadtteil Mayfair und 1927 ein Grundstück an der Riviera schenkte, auf dem sie ihre Villa "La Pausa" bauen ließ. In den späten dreißiger Jahren ging sie nach Hollywood, wo sie Entwürfe für Filme von Samuel Goldwyn (1879-1974) machte. In Frankreich entwarf sie 1939 die Kostüme für Jean Renoirs Film "La Régle du Jeu".

1935 beschäftigte Chanels Unternehmen 4000 Mitarbeiter, sie war allerdings eine Gegnerin von Gewerkschaften und hatte ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Belegschaft. Als 1939 der Krieg ausbrach, entließ sie alle auf einen Schlag, weil sie ihre Geschäfte schließen wollte. Während des Krieges kollaborierte sie mit den nationalsozialistischen Besatzern, die ihre vielfältigen Beziehungen in die britische Führungschicht ausnutzten. Durch ihre Kollaboration machte sie sich unbeliebt und es war wohl Winston Churchill (1874-1965), der dafür sorgte, dass sie bei der Befreiung von Paris 1944 vor Angriffen geschützt wurde. Die nächsten zehn Jahre lebte sie in der Schweiz, kehrte aber 1954 nach Paris zurück, um ihre "Maison de Couture" wiederzueröffnen und verbrachte den Rest ihres Lebens in Paris im Hotel Ritz. Unvergessen bleiben ihre Entwürfe für Kleidung aus Jerseystoffen mit Glasperlen im Slawischen Stil, für Schmuck und Handtaschen, vor allem aber für das Chanel No. 5 in seiner unverwechselbaren Flasche.

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