Porzellanikon | Staatliches Museum für Porzellan

Keine Angst vor dem Backenbrecher: Was nach Schlägertyp klingt, ist nur eine Maschine zur Aufbereitung von Quarz, Feldspat und Kaolin. Am Ende kommt dabei Frühstücksgeschirr heraus. Zum Beispiel. Im Porzellanikon im bayerischen Selb dreht sich alles um das „Weiße Gold“ und seine spannende Geschichte – von den Manufakturen des 18. Jahrhunderts bis heute. Ein ganzer Maschinenpark macht vor, wie Porzellanmasse entsteht. Museumsmitarbeiter modellieren, gießen, drehen und pressen alle Arten von Gefäßen und Gegenständen. Bewegungsmelder setzen wie von Geisterhand die Geräuschkulisse einstiger Porzellanfabriken samt anschaulicher Filmsequenzen in Gang. Ein begehbarer Ofen zeigt das Brennen, die Buntmacherei das Bemalen der Produkte. Abschließend versammelt eine Ausstellung der Firma Rosenthal besonders kunstvolle Exponate. Das alles hat Platz auf dem Gelände einer Porzellanfabrik von 1866 mit noch funktionstüchtigen Dampfmaschinen. Und das aus Porzellan nicht nur Geschirr hergestellt wird, präsentiert die Erlebniswelt Technische Keramik, die vom keramischen Hüftgelenk bis zu den Hitzeschilden des Space Shuttle reicht.

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Geschichte

Am 18. März 1856 ereilt Selb die Katastrophe: Innerhalb weniger Stunden fällt der gesamte Ort einem Großbrand zum Opfer. Nur ein Jahr später errichtet Lorenz Hutschenreuther das erste Porzellanwerk der Kleinstadt. Damit wird er in seiner Branche zum Pionier der industriellen Serienfertigung und beschert zugleich Selb eine neue Zukunft als Porzellanzentrum. Viele Fabriken entstehen. Eine davon gründet 1866 Jakob Zeidler. Es geht aufwärts. Erst die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920 Jahre versetzt der örtlichen Porzellanindustrie einen empfindlichen Dämpfer, Pleiten und Fusionen sind die Folge. Die Firma Zeidler nimmt diese Entwicklung vorweg. Bereits 1917 wird die Fabrik von der Weltmarke Rosenthal übernommen, die hier bis zu ihrem Umzug in ein moderneres Werk rund 50 Jahre lang produziert. Danach bleibt es lange still um die veraltete Industrieanlage. Ihr neuer Lebensabschnitt beginnt 1990, als in ihren Mauern nach und nach Europas größtes Industriemuseum für Porzellan Gestalt annimmt. Ergebnis der jahrelangen Aufbauarbeit: eine umfassende Darstellung der Porzellanherstellung während der vergangenen 250 Jahre. Ganz bewusst steht dabei Handarbeit neben maschineller Fertigung, Tradition neben Innovation. Überdies kommt die unterschiedliche technische Entwicklung innerhalb Europas gebührend zur Geltung. Besonders auf den britischen Inseln gab es abweichende Verfahren, deren Art und Ursachen das Museum mit berücksichtigt. Seit 2004 steht Besuchern zusätzlich die Rosenthal-Abteilung offen. Sie logiert im ehemaligen Brennhaus der Fabrik und zeigt neben der Geschichte der Rosenthal AG herausragende Kunst- und Designobjekte aus Porzellan. Im Jahr 2005 erweitert sich das Ausstellungsangebot erneut: Die Technische Keramik veranschaulicht die gesamte Bandbreite keramischer Erzeugnisse in Industrie, Wissenschaft und Alltag – und macht dabei ganz nebenbei klar, dass Porzellan viel mehr kann als reiche Tafeln decken.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2-3 Stunden
Dauer einer geführten Tour:90 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Dienstag bis Sonntag 10.00-17.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder