Welterbe Grand Hornu

Ein dreibogiges Eingangsportal, ein gepflasterter Vorhof, danach erneut drei Rundbögen in einem Backsteinbau: Das ist das Entrée zur ausgedehnten Rasenfläche des Cour ovale, deren Oval – von Rundbogenarkaden gesäumt – aussieht wie die Arena eines römischen Amphitheaters. Weit gefehlt: Hier im Südwesten Belgiens schlägt im 19. Jahrhundert das Herz einer der größten Steinkohlezechen des Landes. Der Schöpfer dieser klassizistischen Anlage, zu der auch noch eine Arbeitersiedlung mit über 400 Häusern und ein hochherrschaftliches Fabrikantenhaus gehören, steht als Denkmal im Zentrum des Rasenplatzes: Henri de Gorge Legrand, der seit dem Erwerb der Zeche 1810 sowohl in architektonischer als auch in technologischer und sozialer Hinsicht Maßstäbe setzt. Heute ist Grand Hornu ein Juwel europäischer Industriekultur, außerdem UNESCO-Welterbe und dank seinem „Zentrum für Innovation und Design“ (CID) und dem Museum für zeitgenössische Kunst (MACS) der Föderation Wallonie-Brüssel Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.

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Geschichte

„Starke Menschen durch bislang ungekannte Bequemlichkeiten zu gewinnen“ und dadurch die Kohleförderung zu steigern – das sind die Ziele, die der Franzose Henri de Gorge Legrand verfolgt, als er den 1778 unweit von Mons gegründeten Zechenstandort 1810 erwirbt und 1816 mit dem Bau einer Arbeitersiedlung im Stil einer englischen Gartenstadt beginnt. Es entstehen 425 Wohnhäuser mit jeweils vier Zimmern, einer Dachkammer und einem Garten samt Geräteschuppen. Außerdem umfasst die Siedlung eine Schule, eine Bibliothek, ein Krankenhaus, Grünflächen und sogar einen Ballsaal. Ab 1850 erleuchten Gaslaternen die Straßen, und knapp 50 Jahre später belegen 22 Cafés den bescheidenen Wohlstand und die Belebtheit des Viertels. Diese Entwicklung setzt fort, was sich bei der Gründung von Grand Hornu bereits ankündigt: Innerhalb eines Jahrzehnts steigt die Zahl der Arbeiter um das Siebenfache an und die Kohleförderung schnellt in die Höhe. 1832 beschäftigt Henri de Gorge Legrand bereits 15.000 Menschen.

Das Zentrum der Industrieanlage bildet ein monumentaler ovaler Backsteinkomplex, der ursprünglich die Zechenverwaltung, Pferdeställe und eine Maschinenhalle aufnimmt – Letzterer fehlt heute das Dach. Diese Bauten verbinden sich mit dem schlossartigen Herrenhaus der Familie Gorge, zu einem neoklassizistischen Gesamtensemble nach den Plänen des Architekten Bruno Renard. Die Kohleförderung profitiert von vor Ort entwickelten neuen Fördertechniken und Dampfmaschinen und der 1830 hier eingesetzten ersten Pferdeeisenbahn Belgiens.

1954 geht die Zeche außer Betrieb und soll 1969 auf Erlass des Königs sogar abgerissen werden. Das es nicht so weit kommt, ist vor allem einem 1984 gegründeten gemeinnützigen Verein zu verdanken, der sich die Förderung des Kulturerbes, des Tourismus‘ und der Kultur auf die Fahne schreibt. 1989 erwirbt die Provinzregierung den Standort, der heute ein Designzentrum und ein Kunstmuseum beherbergt und seit 2012 als eine der vier bedeutendsten Bergbaustätten der Wallonie auf der Unesco-Welterbeliste steht.

Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja
  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen