Die metallenen Schläge einer Hammermühle hallen durch den dichten Wald unweit der finnischen Südküste, rot leuchtende Holzhäuser werfen ihr Spiegelbild auf die glatte Wasseroberfläche eines Teichs. Die Zeit, so scheint es, ist hier stehengeblieben, seit die noch junge Witwe Virginia af Forselles 1790 die bereits mehrere Jahrzehnte bestehende Eisenhütte von ihrem verstorbenen Mann übernahm und deren Geschicke mit starker Hand lenkte. Dennoch ist seitdem viel passiert. So wurde aus dem Hüttendorf ein multifunktionaler Betrieb mit Sägewerk, Brauerei, Brennerei, Schenke, Ziegelei und zahlreichen Arbeiterhäusern, deren ältestes in das 18. Jahrhundert zurückreicht. Eines der Highlights aus historischer Sicht ist Finnlands einzige heute noch wassergetriebene Schmiede. Der Ziegelbau aus dem Jahr 1871 war bis 1950 in Betrieb und beherbergt bereits zehn Jahre später ein Museum, in dem Besucher live erleben können, wie früher Nägel, Werkzeug und andere Eisenprodukte zwischen Hammer und Amboss Form annahmen. Strömfors ist einer der am besten erhaltenen Hüttenstandorte des Landes. Naturliebhaber kommen auf den vielfältigen Wander-, Rad- und Kajakrouten auf ihre Kosten. Für Unterkunft und Stärkung sorgen gleich mehrere Restaurants und Unterkünfte.
Eisenhütte Strömfors
Strömforsin Ruukin
Ruukintie 11A
Kirkonkyla
07970 Ruotsinpyhtää
Finnland
+358 (0) 19 - 618474
Homepage
Ruotsinpyhtää heißt übersetzt „Schwedisch-Pyhtää“, weil hier einmal die Grenze zwischen Schweden und dem russischen Zarenreich verlief. Bereits zuvor, in den 1690er Jahren, gründet ein gewisser Baron Johan Creutz an den Stromschnellen eines Flussarms des Kymijoki ein erstes Hammerwerk, um mit Holzkohle aus den umliegenden Wäldern Barren aus schwedischem Roheisen herzustellen. Den Namen Strömfors trägt der Standort seit 1744, gebildet aus den kombinierten Nachnamen der neuen Eigentümer Anders Nohrström and Jakob Forsell. Tatsächlich ist es jedoch eine Frau, die die Annalen dominiert: Virginia af Forselles, die nach dem Tod ihres Mannes 1790 den mittlerweile deutlich erweiterten Betrieb erbt. 47 Jahre steht sie dem Unternehmen vor und schifft es durch unruhige Zeiten, was ihr bei den Einheimischen die Ehrenbezeichnung „Euer Gnaden“ einbringt. 1808 übersteht sie die Zerstörung des Hüttendorfs durch russische Truppen zur Zeit der napoleonischen Kriege, und das, obwohl ihr Gesuch um Steuererleichterungen wegen der erlittenen Kriegsschäden abgewiesen wird. Nur zwei Jahre später errichtet sie ein Fallhammerwerk, steht 1816 vor Gericht wegen illegalen Holzschlags und kompensiert den durch Personalmangel verursachten Rückgang der Schmiedeproduktion in den 1830er Jahren, indem sie Fachkräfte aus Schweden anheuert.
1876, nach 132 Jahren unter der Ägide der Familie af Forselles, wechselt der Standort in den Besitz des finnischen Fabrikanten Antti Anders Ahlström, der besonders den Sägewerkssektor ausbaut und mit Schnittholz ein Vermögen macht. 1950 stellen die Sägewerke ihre Produktion ein, nach über 250 Jahren mit fast unveränderter Technik. Bereits 1947 errichtet der finnische Konzern A. Ahlström Oy eine Fabrik zur Herstellung von Kunststoff- und Elektroartikeln. Dass das Hüttendorf bis heute bewohnt ist, macht seine besondere Atmosphäre aus. Seine historischen Gebäude beherbergen unter anderem Finnlands erstes, in den frühen 1960er Jahren gegründetes Schmiedemuseum.
| Empfohlene Aufenthaltsdauer: | 3 Stunden |
|---|---|
| Dauer einer geführten Tour: | 60 Minuten |
| Eintritt: | frei |
| Barrierefreier Zugang: | vollständig |
| Angebote für Kinder: | |
| Gastronomie: | |
| Besucherzentrum beim Objekt: | ja |
| Museumsshop: | ja |