Welterbe New Lanark

Eine Wohnsiedlung. Die Landschaft: wildromantisch. Nichts deutet darauf hin, dass hier einst Baumwolle im großen Stil produziert wurde. Tatsächlich jedoch ist New Lanark allein aus diesem Grund entstanden. Der Clyde, der höchst lebendig vorbeifließt, trieb hier seit 1785 Schottlands profitabelste Baumwollspinnereien an. Wirklich berühmt wurden die Fabriken jedoch durch ganz andere Errungenschaften: soziale nämlich. Es gab Schulen, geräumige Wohnungen, kostenlose ärztliche Versorgung, eine Sparkasse und einen Genossenschaftsladen. Ausgedacht hatte sich das Robert Owen, ein Fabrikant, der wollte, dass es seinen Arbeitern gut ging. Das war sensationell, damals, um 1800. Heute ist New Lanark Weltkulturerbe und belebte Wohnanlage zugleich. Die Fabriken sind geschlossen. Besucher können dennoch jede Menge Vergangenheit entdecken: ein restauriertes Arbeiterhaus, ein Klassenzimmer aus der Zeit Owens, auch Textilmaschinen im Einsatz. Ein Film entführt den Zuschauer auf eine rasante Reise durch drei Jahrhunderte, und in einer dramatischen audiovisuellen Schau lässt ein kleines Mädchen das Leben in New Lanark im Jahr 1820 wieder lebendig werden.

Geschichte

Der reißende Strom des Clyde hatte es David Dale angetan. Wo sonst Maler und Dichter in romantische Schwärmereien verfielen, stampfte der schottische Bankier und Unternehmer aus Glasgow 1785 mir nichts, dir nichts die Industriesiedlung New Lanark aus dem Boden. Binnen weniger Jahre entwickelte sie sich zum größten Baumwollzentrum Schottlands. Mehrere wassergetriebene Spinnfabriken, stabile Mietshäuser und eine Heerschar von Arbeitskräften: Das war New Lanark, als Robert Owen, David Dales Schwiegersohn, das Unternehmen 1800 übernahm. In den nächsten 25 Jahren trat der rasch berühmt werdende Sozialreformer den Beweis an, dass kommerzieller Erfolg keineswegs mit Unterdrückung und Ausbeutung der Beschäftigten einhergehen muss. Weitsichtig wie er war, investierte er einen Teil der Firmengewinne in die Lebensqualität seiner Arbeiter. Vor allem deren Bildung lag ihm am Herzen – kein Wunder bei einer Belegschaft, die überwiegend aus Kindern bestand. Also rief Owen das „Institut zur Bildung des Charakters“ ins Leben: eine Grundschule für die Jüngsten, die noch nicht in der Spinnerei eingesetzt wurden, verbunden mit einer Abendschule für die älteren Kinder. Außerdem gründete er eine Lebensmittelgenossenschaft, einen Rentenfond, eine Art Krankenversicherung, einen Kindergarten und führte auch noch den Zehnstundentag ein. Seine Maßnahmen machten ihn zu einem Pionier der Kooperativen- und Gewerkschaftsbewegung und zum Helden der kleinen Leute. In den eigenen Kreisen stieß er dagegen größtenteils auf Unverständnis oder sogar offene Ablehnung. 1825 endete die Ära Owen in New Lanark. Seine Reformen blieben noch lange Zeit lebendig. Die Baumwollspinnereien wurden modernisiert – Turbinen ersetzten nach und nach die alten Wasserräder. 1968 schlossen sich die Fabriktore, die Industriesiedlung verfiel. Dank einer umfangreichen Renovierung ist New Lanark heute jedoch wieder ein belebter Ort mit fast 200 Einwohnern und einem spannenden Industriemuseum.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2,5 Stunden
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Die Siedlung ist jederzeit zu besichtigen.

Besucherzentrum:

täglich 11.00-17.00 Uhr

am 25.Dezember und 1. und 2. Januar geschlossen

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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