Museum der Eisen- und Stahlindustrie und des Bergbaus von Kastilien und Leon

Sieht dieses große, lichtdurchflutete Mittelschiff mit seinen gemauerten Spitzbögen und den beiden niedrigeren Seitenschiffen nicht auf den ersten Blick wie eine Kirche aus? Gar nicht sakral jedoch wirken die schweren Maschinen, die überall herumstehen, darunter die ersten Dampfmaschinen der nordspanischen Provinz Kastilien und León. Denn dieser schöne neugotische Bau, die Ferrería de San Blas, beherbergte im früheren 19. Jahrhundert ein Walzwerk und eine Schmiede. Und der Stahl, der hier verarbeitet wurde, stammt aus den ersten Hochöfen Spaniens mit Koksfeuerung. Überreste dieser Hochöfen sind auf dem Außengelände noch zu sehen, ebenso wie Zeugnisse einer Bergbausiedlung und einer Zeche. In der Ferrería selbst erzählt heute ein Museum von den Pionieren der spanischen Stahlindustrie. Originalmaschinen und ihre Nachbauten zeigen Besuchern, wie das im Hochofen gewonnene Roheisen mit Hilfe von Puddelöfen, dampfgetriebenen Fallhämmern und Walz- und Schneidemaschinen weiterverarbeitet wurde. Sogar eine eigene Reparaturwerkstatt zur Instandhaltung der Maschinen und Gebäude gab es hier. Den historischen Kontext veranschaulicht ein großes Modell, das die Entwicklung des regionalen Bergbaus von seinen Anfängen 1830 bis zum Schlusspunkt 1991 nachzeichnet.

Museum der Eisen- und Stahlindustrie und des Bergbaus von Kastilien und Leon
Museo de la Siderurgia y la Mineria de Castilla y Leon (MSM)
Plaza de San Blas 1
24810 Sabero
Spanien
+34 (0) 9877 - 18357
Homepage

Geschichte

1841 erhielt Miguel Iglesias Botias die Konzession, im Tal von Sabero drei Steinkohlezechen zu errichten, und gründete daraufhin die Sociedad Palentina de Minas. Weil er aber nicht nur Kohle fördern, sondern auch Eisen verhütten wollte, tat er sich 1845 mit dem Madrider Unternehmer Santiago Alonso Cordero und dem Bergbau-Ingenieur und Geologen Casiano de Prado zusammen. Die so entstandene Montangesellschaft Palentina-Leonesa de Minas legte am 14. März 1846 in der Nähe der Einsiedelei von San Blas den Grundstein für einen ersten Hochofen. Er war 16 Meter hoch, hatte an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 4,5 Metern, arbeitete ohne Pause und bediente sich der allerneuesten Technik seiner Zeit: Er verwendete Koks als Brennstoff, konnte dadurch in kürzerer Zeit größere Mengen an Eisenerz bewältigen und erreichte so Produktionszahlen von mehr als neun Tonnen Eisen pro Tag. 1860 folgte der zweite Hochofen. Gleich nebenan, in der Ferrería de San Blas, bereitete ein 10 PS starker Dampfhammer das Roheisen für die Weiterverarbeitung in der Walzmaschine vor. Die Ofen- und Maschinentechnik kam aus England, ein eigener Reparaturbetrieb sorgte für die kostengünstige Instandhaltung, an Kohle herrschte mitten im zunehmend erschlossenen Revier von Sabero kein Mangel. Dennoch musste der Hüttenstandort bereits 1866 nach kaum 20 Betriebsjahren schließen. Warum?

Schuld waren die politischen Verhältnisse. Die Regentschaft von Isabel II. war gekennzeichnet von Verschwörungen, Regierungswechseln, Soldatenaufständen und Kriegen in den afrikanischen und pazifischen Kolonien. Dazu kamen der Mangel an bürgerlichen Unternehmern, eine schwache Binnennachfrage und hohe Transportkosten wegen fehlender Eisenbahnverbindungen. Das Stahl- und Bergbaumuseum von Kastilien und León hebt nun mit der so lange brachliegenden Ferrería de San Blas einen industriehistorischen Schatz: Deren in Vergessenheit geratene bahnbrechende Hüttentechnologie beschert der traditionsreichen Bergbauregion Sabero ein ganz neues Selbstverständnis.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1-2 Stunden
Dauer einer geführten Tour:90 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Museumsshop:ja

April bis September:
Dienstag - Samstag 10.00-14.00, 17.00-20.00 Uhr
Sonntag, Feiertage 10.00-14.00, 16.30-19.30 Uhr

Oktober bis März:
Dienstag - Samstag 10.00-14.00, 16.00-19.00 Uhr
Sonntag, Feiertage 10.00-14.00, 16.30-19.30 Uhr

  • Führungen möglich
  • Führungen für Kinder

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