Kokerei Hansa

Mehr als 60 Jahre lang war sie für Außenstehende eine verbotene Stadt: ihre Straßen und Brücken von Teerdunst verhüllt, Hallen und Türme umlagert von Kohlenstaub. Tag und Nacht. Die Kokerei Hansa in Dortmund: eine Maschine, die niemals stillstand. Alle zehn Minuten mußten die endlosen Batterien der Koksöfen geleert und neu mit Kohle befüllt werden. Das ging nur mit menschlicher Hilfe. Einfeger bedienten den Füllwagen und hielten die Koksofendecke sauber. Die war so heiß, dass man darauf Würstchen braten konnte. Jede Schicht: acht Stunden, keine Pause – ein Inferno. Die Belegschaft: eine verschworene Gemeinschaft. Hanseaten, so nannten sie sich. Ein paar von ihnen führen heute Besucher durch das Werk. Dessen Öfen sind längst erkaltet, der schwarze Rauch hat sich verzogen.

Rostrot und Birkengrün beherrschen das Bild der schlafenden Industrieanlage. Dazwischen, je nach Jahreszeit, die Blüten von Nachtkerze, Weidenröschen, Greiskraut, Sommerflieder, Riesen-Goldrute. „Erlebnispfad Natur und Technik“ heißt der Weg, der die verbotene Stadt von einst auf neue Weise erschließt. Denn die Natur fordert das Terrain mit Entschiedenheit zurück. Zugleich macht der Rundgang für kurze Zeit den Alltag von Mensch und Maschine wieder lebendig. Höhepunkte: der Panoramablick vom 40 Meter hohen Kohlenbunker und die Maschinenhalle mit fünf ebenso gewaltigen wie betagten Gaskompressoren – frisch überholt und mit rotierenden Schwungrädern.

Die Kokerei Hansa entstand 1927. Ähnliche Großanlagen schossen damals überall im Ruhrgebiet wie Pilze aus dem Boden. Ursache: die boomende Stahlindustrie, die mit ihren Hochöfen Unmengen an Koks verschlang. Hansa bezog Steinkohle aus den umliegenden Zechen, veredelte sie bei über 1000 Grad zu Koks und lieferte das Produkt an das Hüttenwerk Dortmunder Union. Auch das bei der Verkokung entstehende Gas fand seine Abnehmer: Teile davon gingen an kohlechemische Werke, der Rest wurde in der Kompressorenhalle verdichtet und in das Ferngasnetz eingespeist. 1992 stellte die Kokerei Hansa ihren Betrieb ein. Seit 1997 ist sie Sitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Industriekultur, die noch zwölf weitere Industriestandorte betreut. Unter diesen steht Hansa für eine Zeit, in der die Schwerindustrie des Ruhrgebiets ihre Kräfte planmäßig zu bündeln begann.

Kokerei Hansa
Emscherallee 11
44369 Dortmund
NRW
Deutschland
+49 (0) 231 - 93112233
Homepage

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 1 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 120 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

April bis Oktober:

Dienstag bis Sonntag 10.00-18.00 Uhr

November bis März:

Dienstag bis Freitag 10.00-16.00 Uhr

Die Kokerei kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden - Zeiten der Führungen siehe Webseite.

Außerhalb von Führungen ist nur ein Teilbereich der Kokerei ohne Begleitung durch Fachpersonal zugänglich.

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder
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WORK it Out – Day of Industrial Culture

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