Gasometer

Zwischen 1988 und 1992 erregt ein leidenschaftlicher Streit die Oberhausener Gemüter. Zankapfel: der stillgelegte Gasometer der ehemaligen Gutehoffnungshütte. Abrissbagger werden bestellt und wieder zurückgepfiffen, je nach Perspektive gilt das Bauwerk als Schandmal oder Industriedenkmal erster Ordnung. Schließlich setzen sich die Befürworter durch: Sie machen den größten Gasspeicher Europas zur ungewöhnlichsten Ausstellungshalle der Welt – mit großem Erfolg. Industriegeschichtliche Ereignisse, Kunstinstallationen, Performances: Sie alle profitieren von einem einzigartigen architektonischen Raumgefühl. Das Geheimnis: ein riesiger, annähernd runder Hohlkörper, ummantelt von einer schwarz glänzenden Wand aus Abertausenden gasdicht verfugter Blechbahnen. Vom Boden dieser gigantischen Technikkathedrale aus wirken die Fensteröffnungen im Dach wie ein ferner Sternenkranz. Ein gläserner Panoramaaufzug führt empor zu einer 117 Meter hohen Aussichtsplattform. Sie öffnet den Blick auf die vielfältige industrielle Kulturlandschaft des Ruhrgebiets – und auf eine weitere Attraktion direkt nebenan: das CentrO Oberhausen, Europas größtes Einkaufszentrum.

Geschichte

Ohne Gas keine Schwerindustrie. Manchmal gilt das auch umgekehrt. Bestes Beispiel: Gichtgas. Es entsteht in Hochöfen und treibt sie zugleich an. Auch Kokereien produzieren nebenher Gas – als Rohstoff besonders wertvoll für die chemische Fabrikation. Das Problem: Nicht immer wird das verfügbare Gas gleich benötigt. Wie kann man es speichern? Die Lösung im Großformat: der Oberhausener Gasometer. Was da am 5. Mai 1929 in Betrieb geht, ist bis heute europäischer Rekord: Nutzvolumen 347.000 Kubikmeter, Höhe 117,5 Meter, Umfang 210 Meter. Möglich macht das eine neue Technik, die ohne die sonst üblichen Wassermengen auskommt. Statt dessen dichtet sie das Gas mittels einer beweglichen Scheibe ab. Die schwimmt wie ein überdimensionaler Deckel auf der Gasoberfläche und steigt und fällt je nach Füllmenge. Da, wo sie an die Innenhaut des Speicherbaus stößt, sorgt ein gleichbleibender Film aus Teeröl dafür, daß kein Gas nach oben entweicht.

Für die Gutehoffnungshütte schließt der Gasometer eine wichtige Lücke in der Konzernstruktur. Fortan nimmt er das überschüssige Gichtgas der betriebseigenen Hochöfen auf und befeuert damit die ebenfalls betriebseigene Großkokerei Osterfeld. Deren hochwertiges Koksofengas geht an die chemische Industrie – gewinnbringend, versteht sich. Der Erfolg: Bereits nach 18 Monaten sind die Investitionskosten für Europas größten Gasspeicher getilgt. Erst Zechensterben und billige Erdgaslieferungen aus der Nordsee machen ihn unrentabel.

1988 wird der Gasometer Oberhausen stillgelegt. Die ehemals bewegliche Scheibe ist auf viereinhalb Metern Höhe verankert und dient heute als eine von mehreren Ausstellungsebenen. Gleich die erste Schau, ein multimedialer Rückblick auf 200 Jahre Ruhrgebiet, zog Hunderttausende von Besuchern in ihren Bann. Es folgten weitere Höhepunkte, darunter spektakuläre Kunstinstallationen. Sie unterstreichen die Bedeutung des Oberhausener Gasometers als lebendiges Industriedenkmal von europäischem Rang.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:1,5 Stunden
Dauer einer geführten Tour:60 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Museumsshop:ja

Wegen Renovierungsarbeiten ist der Gasometer bis April 2021 geschlossen.

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

Diese Webseite nutzt Cookies