Bergwerk "Guido"

Tiefer geht’s nicht: Mit 320 Metern unter der Erde ist die historische Zeche Guido in Oberschlesien das tiefste Besucherbergwerk Europas. Ein 250 Tonnen schwerer Rohkohle-Container, Förderbänder, eine Vortriebmaschine der Marke Alpina in voller Aktion, dazu hydraulische Stützpfeiler, verschiedene Transporteinrichtungen, eine Seismographenkammer und ein simulierter Bergwerksunfall versetzen den Besucher mitten hinein in die Untertagewelt des 20. Jahrhunderts. Ein „Stockwerk“ höher, auf der 170-Meter-Sohle, geht es weiter zurück in die Vergangenheit. Dort leben die Arbeitsbedingungen um 1900 fort – so realistisch, als wäre die Zeit stehen geblieben. Gesprächsfetzen dringen ans Ohr, die niedrigen Decken ächzen, irgendwo sind wiehernde und schnaufende Pferde zu hören. Diese und andere audiovisuelle Effekte sind gekonnt eingesetzt und erzeugen eine Grubenatmosphäre, der sich niemand entziehen kann. Von ganz besonderem Reiz sind auch die unterirdischen Konzerte und Theateraufführungen, die die Zeche Guido seit Ende 2008 anbietet. Ergänzend zu einer Dauerausstellung mit Bergmannportraits machen sie deutlich, dass sich das Besucherbergwerk auch als kulturelles Zentrum versteht.

Geschichte

Fürst Guido Henckel von Donnersmarck (1830-1916) war kein Freund falscher Bescheidenheit. Als einer der reichsten deutschen Industriellen seiner Zeit lebte er in einem Schloss nach dem Vorbild von Versailles, stiftete großzügig für soziale Zwecke und benannte seine zahlreichen Industriebetriebe mit Vorliebe nach sich und seinen Familienangehörigen. So kam auch die Zeche Guido zu ihrem Namen, die 1855 südlich von Zabrze in der damals aufstrebenden Bergbauregion Oberschlesien entstand. Sie sollte die nahe gelegene Donnersmarckhütte mit Steinkohle versorgen. Wie damals üblich wurden in der Grube Pferde als Zugtiere eingesetzt. Die untertage für sie eingerichteten Ställe sind original erhalten und gehören heute zu den Höhepunkten des Besucherbergwerks.

Kohle wird dort schon lange nicht mehr abgebaut. Nachdem die Lagerstätten erschöpft waren, diente die Grube Guido eine Zeit lang zur Entwässerung der umliegenden Bergwerke, verlor aber auch in dieser Funktion seit den 1930er Jahren an Bedeutung und stellte nach dem Zweiten Weltkrieg den Betrieb endgültig ein. 1967 erlebte sie eine vorübergehende Renaissance als Versuchsbergwerk zum Testen von Bergbaumaschinen. 20 Jahre später wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Bereits zuvor, 1982, war in den obertägigen Grubenanlagen mit dem historischen Förderturm anno 1927 ein Freilichtmuseum eingerichtet worden, das jedoch 1996 seine Pforten schloss. In der Folgezeit setzten sich viele Menschen in und um Zabrze dafür ein, das für die Region bedeutende Industriedenkmal zu erhalten und vor allem wieder zugänglich zu machen. Nicht zuletzt diesem hartnäckigen Engagement ist es zu verdanken, dass das Besucherbergwerk im Juni 2007 Neueröffnung feiern konnte. Zusätzlich bot sich nun die Möglichkeit, durch den hergerichteten Kolejowy-Schacht 170 Meter tief in die Zeche einzufahren. Seit Ende 2008 ist auch die Sohle in 320 Meter Tiefe zu besichtigen. Beide Ebenen veranschaulichen auf eindringliche Weise den Bergbau des späten 19. und fortgeschrittenen 20. Jahrhunderts.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2 Stunden
Dauer einer geführten Tour:120 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

Übertagebereich:
täglich 08.00-21.00 Uhr frei zugänglich

Besucherbergwerk:
geführte Grubenfahrten (nach Voranmeldung)
Mittwoch - Freitag 09.00-14.30 Uhr; Samstag, Sonntag 12.00-17.30 Uhr

  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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