ZUR INDUSTRIEGESCHICHTE VON SLOWENIEN

Slowenien zählte jahrhundertelang zur agrarischen Peripherie des Habsburger-Imperiums. Wo sich zwischen Alpen und Adria jedoch wirtschaftliches Potential bot, waren Österreichs  Regenten oder kapitalkräftige Unternehmer zur Stelle und etablierten punktuelle, produktive Gewerbe- und Industrie-Standorte.

Die Erzlager im Tal der Sava beuteten „Eisenbarone“ seit dem Mittelalter aus. Spezialität der Schmieden waren Nägel, von kleinen Stiften für Stiefel bis zu langen Dornen für den Dammbau. Der Exportschlager Sloweniens war jedoch Quecksilber aus Idrija. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich die schon 1509 eröffneten Minen und Schmelzen zum größten Quecksilber-Produzenten der Welt. In Hrastnik an der Sava entstand damals neben den Kohlegruben die noch heute florierende Glasherstellung.

Zur gleichen Zeit bauten die Habsburger Triest zu ihrem Exporthafen aus. Mit steigendem Warenumschlag siedelten sich dort mehr und mehr Kaufleute an, gründeten eine Börse, Versicherungsgesellschaften und Banken. Sloweniens erster Industrialisierungsschub ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dann auch großenteils mit Kapital aus Triest finanziert, so etwa die Chemiefabrik TKI in Hrastnik, die noch heute besteht. In Ljubljana kamen die ersten Dampfmaschinen zum Einsatz. Ausländisch dominierte Aktiengesellschaften übernahmen die Eisenhütten bei Jesenice und die Kohlebergwerke in Trbovlje.  Beherrschend blieben aber Produkte aus der Land- und Forstwirtschaft wie Nahrungsmittel, Leder, Holz und Papier.

Wo Eisenbahnstrecken gebaut wurden, bestimmte die Regierung in Wien. Priorität hatte die Südbahn von Wien zur Adria, an die in den 1840er Jahren Celje und Ljubljana, 1857 Triest angeschlossen wurden. In den siebziger Jahren folgten Verbindungen von Kärnten über Jesenice, Anfang des 20. Jahrhunderts eine zweite Strecke nach Triest.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns und der Gründung des „Königreichs Serbien, Kroatien, Slowenien“ 1918 befand sich das Land in einer völlig neuen Lage: Abgeschnitten vom blühenden Adriahafen in Triest und dem österreichischen Hinterland, dafür aber mit Zugang zu den hungrigen Märkten des südlichen Balkan. Nun zog das vergleichsweise hoch entwickelte Slowenien Kapital an und Bergbau und Eisenverarbeitung, aber auch Nahrungsmittelproduktion, Textil- und Papierindustrie expandierten. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte sich die Zahl der Fabriken fast verdoppelt, die meisten Betriebe waren jedoch klein und die Landbevölkerung litt weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit.

Den Durchbruch zum Industrieland schaffte die sozialistische Regierung der „Föderativen Volksrepublik Jugoslawien“ nach 1945 – um den Preis einer drastischen Unterversorgung mit Konsumgütern. Die Unternehmen wurden verstaatlicht, die Schwerindustrie erhielt absoluten Vorrang: Metallverarbeitung und Maschinenbau steigerten ihre Produktion rasant, die Autoproduktion wurde neu aufgebaut: 1947 begann die Firma TAM in Maribor mit dem Bau von Lastwagen und Bussen, 1954 die IMV in Novo Mesto mit der PKW-Produktion. Beide Unternehmen produzierten überwiegend in Lizenz für westeuropäische Konzerne wie Austin, Magirus, Citroën und Renault. Aus der ebenfalls neu gegründeten Elektroindustrie gingen Firmen wie der Küchenausstatter Gorenje hervor. Neue Kraftwerke verbesserten die Energieversorgung, so das Kohlekraftwerk TEŠ in Šoštanj und seit 1970 das Kernkraftwerk in Krško, das zur Hälfte zu Kroatien gehört. Neue Werke wurden gezielt über das Land verteilt, um die Arbeitslosigkeit in den agrarischen Regionen zu beenden.

Der Regierung in Belgrad gelang es aber nicht, eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in Gang zu setzen, obwohl sie immer neue Korrekturen vornahm: größere Selbständigkeit für die Betriebe, eine begrenzte Öffnung des Marktes und ein freierer Zugang zum Westen. Das Wachstum beruhte auf steigendem Ressourcenverbrauch und führte schließlich zu sinkenden Einkommen, einer negativen Handelsbilanz und dramatischer Auslandsverschuldung. Beim Zerfall des Bundesstaates 1991 war das relativ wohlhabende Slowenien noch am besten für den neuen, kapitalistischen Markt gerüstet, u.a. wegen seiner stark auf Fertigwaren ausgerichteten Industrie, des guten Ausbildungsniveaus und eines hohen Anteils an Dienstleistungen.

Kranj. Jugoceška-Fabrik

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