ZUR INDUSTRIEGESCHICHTE VON MALTA

Rohstoff-Vorkommen sind auf Malta und seinen Nebeninseln extrem selten. Nur der Kalkstein eignet sich als Grundstoff für die Zementherstellung. Zudem wurden die Wälder schon seit frühgeschichtlicher Zeit dem Schiffbau geopfert, so dass auch Holz seit Jahrhunderten importiert werden muss. Der große Vorteil Maltas ist jedoch seine Lage als Schnittpunkt zwischen dem östlichen und westlichen Mittelmeer sowie zwischen Nordafrika und Sizilien. Damit war es für eine bedeutende Rolle vor allem in der militärischen Seefahrt prädestiniert.

Für einige Jahrhunderte entwickelte sich auch eine einträgliche Textil-Produktion auf der Basis von Baumwolle, die wohl Araber im 9. Jahrhundert nach Malta brachten. Die Regierungen schützten das Gewerbe durch eine Fülle gesetzlicher Regelungen – auch die Großmeister des Johanniter-Ordens, der seinen Sitz 1530 aus dem von den Osmanen bedrohten Rhodos nach Malta verlegte.  Die Industrielle Revolution, die mit der Erfindung der „spinning jenny“ 1767 in England begann, führte aber rasch zum  Niedergang der maltesischen Baumwoll-Verarbeitung: Die neuen Spinnmaschinen machten die kostengünstige Massenproduktion möglich und der explodierende Handel mit Rohbaumwolle aus der britischen Kolonie Indien und den USA verdrängte die maltesischen Produzenten schnell aus dem Markt.

Nach der Ansiedlung des Johanniterordens entwickelten sich jedoch die Gewerbe rund um die Schiffahrt, insbesondere die Unterhaltung und Reparatur von Schiffen. Die nun auch „Malteser“ genannten Ordensritter hatten die Insel wegen ihrer strategischen Lage im Mittelmeer und der hervorragend geschützten Ankerplätze gewählt: Beiderseits der Halbinsel, auf der ab 1566 die neue Hauptstadt Valletta erbaut wurde, liegen große natürliche Hafenbecken.  Den südöstlichen „Großen Hafen“, der durch mehrere Landzungen in kleinere Buchten unterteilt ist, baute der Orden über Jahrhunderte zum schwer befestigten Stützpunkt seiner Kriegsmarine aus: Werften lagen auf der Halbinsel Kalkara (maltesisch Il-Kalkara), die im 17. Jahrhundert mit dem Fort Ricasoli (Forti Rikażli) befestigt wurde. Ein Hafenbecken für ihre Galeeren schlugen die Johanniter aus dem Felsgestein unterhalb des Forts Sant Angelo (Forti Sant’Anġlu) auf der Landzunge Birgu (heute Vittoriosa). Die Bucht zwischen Birgu und der Halbinsel Senglea machten sie mit Kais und Magazinen, Seilerei und Segeltuch-Manufaktur zu ihrem zentralen Marinearsenal.  Neben dieser heute „Dockyard Creek“ genannten Bucht wurde auch der benachbarte „French Creek“ als Bau- bzw. Liegeplatz gebraucht, als der Orden Anfang des 18. Jahrhunderts einen Teil seiner Galeeren durch größere, besegelte Linienschiffe ersetzte. Wegen des eklatanten Rohstoffmangels auf Malta entstanden die meisten davon allerdings in Frankreich.

Der „Dockyard Creek“ blieb auch Zentrum des Marine-Hafens, nachdem Großbritannien die Insel 1800 besetzt hatte. Die Royal Navy übernahm die Bauten der Johanniter und ergänzte sie, u.a. durch eine Bäckerei für Schiffszwieback – heute das Malta Maritime Museum – und mehrere Trockendocks. Mit der Eröffnung des Suezkanals 1869 bekam der Hafen von Valletta auch für die Handelsschiffahrt eine wichtige Rolle als Aufkohlungs-Station auf der Indien-Route. In dieser Zeit eröffnete die Anglo-Ägyptische Bank, eine Bahnstrecke zwischen Valletta und der alten Haupstadt Mdina im Landesinneren wurde eingeweiht und der Schiffbau belebte sich. Die Briten gaben allerdings nur ein Schiff in Auftrag, da ihnen die Bauzeit zu lang war.

Als die neue strategische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg den Stützpunkt im Mittelmeer überflüssig gemacht hatte, gab Großbritannien die Insel auf und 1964 wurde Malta unabhängig. Ohne staatliche Subventionen erwies sich die Hafenindustrie als chronisch defizitär und neue Wirtschaftszweige wurden entwickelt, insbesondere im Bereich Elektronik und Pharmazeutik. Die Industrie trägt jedoch nur einen kleinen Teil zum Bruttosozialprodukt der Insel bei.

Valletta: Grand Harbour mit seinen Trockendockanlagen
(10-Maltesische-Lira-Banknote der Vierten Serie, die nach dem 13. September 2000 kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr ist)

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