Ludwig (1831 - 88) and Robert Nobel (1829 – 96)

Das Mitglied der Nobel-Familie, an das man sich heute am häufigsten erinnert, ist Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamits und Stifter der Nobelpreise. Bedeutend waren jedoch auch seine Brüder Ludwig und Robert, und zwar als Industrielle. Sie trugen die Verantwortung für die Entwicklung von Branobel, im späten 19. Jahrhundert einer der größten Ölkonzerne der Welt mit 12.000 Beschäftigten, die 50 Prozent des weltweiten Erdöls förderten.

Der Vater der Nobel-Brüder war der schwedische Ingenieur, Erfinder und Industrielle Immanuel Nobel. Als seine Söhne Kinder waren, zog er nach St. Petersburg in Russland, wo die Familie 20 Jahre lang ansässig war. Alle drei Söhne durchliefen eine Ingenieur- und Technikausbildung. Der älteste, Robert, war es, der als erster die Chancen der Ölindustrie erkannte. Um 1873 kaufte er Ölquellen und eine Raffinerie in Baku in Aserbaidschan. Sein Bruder Ludwig stieg mit in das Geschäft ein. Mit Aktien, die ebenfalls von ihrem Bruder Alfred und anderen Investoren gehalten wurden, gründeten sie 1879 Branobel - kurz für Naftabolaget Bröderna Nobel (Brothers Nobel Oil Company).

Mit fachkundigen Ingenieuren aus Schweden schmiedeten Ludwig und Robert Pläne für das Handling des Öls vom Bohrloch über die Raffinerie und die Lagerung bis hin zum Export. Ihr technologisch fortschrittlicher Ansatz orientierte sich an bewährten Verfahren aus anderen Ländern und mündete in viele Innovationen. Für den Transport des Öls setzten sie auf Pipelines und Eisenbahnwaggons. Sie entwarfen den ersten modernen Öltanker, den Zoroaster, der 1878 in Göteborg gebaut wurde. Außerdem errichteten sie die Petrolea-Siedlung in Baku mit Häusern für 100 Mitarbeiter, einer Schule, einem Krankenhaus und einem Theater sowie einem eigenen Herrenhaus. Die Ölförderung erfolgte auf der anderen Seite des Kaspischen Meeres in Cheleken in Turkmenistan.

1880 verließ Robert die Leitung des Unternehmens. Als Hauptaktionär wurde Ludwig zu einem der reichsten Männer der Welt. Nach seinem Tod führte sein Sohn Emmanuel die Firma, bis sie um 1920 von den Sowjets verstaatlicht wurde.