William Lindley (1808 – 1900)

William Lindley war ein Ingenieur und Stadtplaner, der die moderne Sammelkanalisation in ganz Europa verbreitete. Er wurde in London geboren und starb dort, verbrachte aber die mittleren Jahre seines Lebens in Hamburg, dessen Stadtbild er durch Bauvorhaben in den Bereichen Wasserversorgung, Kanalisation und Verkehr nachhaltig prägte. Insgesamt verwirklichte er Projekte in mehr als dreißig europäischen Städten.

Als junger Mann war er Schüler des anglo-französischen Ingenieurs Marc Brunel (dem Vater von Isambard Kingdom Brunel) und des Landvermessers und Ingenieurs Francis Giles. Im Alter von 16 Jahren verbrachte er eine kurze Zeit zum Deutschlernen in Wandsbek bei Hamburg. Als Francis Giles 1834 mit der Planung der Eisenbahn von Lübeck nach Hamburg begann, arbeitete Lindley als sein Assistent. 1838 erhielt er den Auftrag zum Bau der Hamburg-Bergedorfer Bahnstrecke, und 1840 begann er mit der Trockenlegung der Sümpfe um Elbe und Hammerbrook, um Land für eine neue Industrievorstadt zu gewinnen. Als der große Brand von Hamburg 1842 ein Drittel der Stadt zerstörte, wurde Lindley Mitglied der technischen Kommission für den Wiederaufbau der Stadt. Er heiratete die Hamburgerin Julia Heerlein und bekam mit ihr eine Tochter und drei Söhne, die alle in Hamburg geboren wurden.

Im Mittelpunkt der neuen Pläne für Hamburg stand der Bau von Abwasserkanälen. Lindley war beeinflusst von der Arbeit des englischen Sozialreformers Henry Chadwick, der die Übertragung von Krankheiten in London untersucht hatte und in seinem Bericht "The Sanitary Condition of the Labouring Population of Great Britain" von 1842 die Bedeutung von Abwasserentsorgung und sauberer Wasserversorgung nachwies. Hamburg entnahm zu dieser Zeit sein Wasser aus demselben Fluss, der auch seine Abwässer aufnahm. Lindley entwarf ein 11 Kilometer langes System von Abwasserkanälen sowie ein Wasserwerk - errichtet innerhalb von nur drei Jahren. Außerdem konzipierte er die Neugestaltung des Hamburger Hafens und lieferte 1845 die Pläne für ein Gaswerk zur Beleuchtung von Straßen und Häusern.

In Deutschland plante er Kanalisationsanlagen für Altona, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Kiel, Krefeld, Leipzig, Stralsund und Wuppertal. 1860 kehrte er nach London zurück und projektierte Abwassersysteme für Budapest, Prag, Moskau, St. Petersburg, Stettin und Warschau. Im Jahr 1879 ging Lindley in den Ruhestand und überließ das Geschäft seinen Söhnen. Hamburg ehrt ihn mit einer Statue und einer nach ihm benannten Straße, und auch in Frankfurt und Warschau tragen Straßen seinen Namen.