Emile Zola (1840 – 1902)

Die Romane Emile Zolas schildern mit atemberaubender Klarheit die menschunwürdigen und von Unterdrückung geprägten Lebensumstände der Arbeiterklasse im industrialisierten Europa des 19. Jahrhunderts.

Zola wurde als Sohn eines eingebürgerten italienischen Ingenieurs in Paris geboren, doch seine Kindheit verbrachte er seit 1843 in Aix-en-Provence. 1847 geriet die Familie durch den Tod des Vaters in Armut. 1858 kehrte Zola nach Paris zurück, fand Arbeit als Angestellter einer Spedition und machte die Bekanntschaft Paul Cezannes (1839-1906) und anderer Künstler.

Sein erster größerer Roman, Therese Raquin, erschien 1867. 1871 schickte er sich an, eine Serie von 20 Romanen, Les Rougon-Macquant (Das Leben der Familie Rougon-Macquart), zu schreiben, die er 1893 vollendete. Darin schildert er das Schicksal zweier Familien – eine davon angesehen, die andere verrufen – während des Zweiten Kaiserreichs. L’Assommoir (Der Totschläger) von 1877 war höchst erfolgreich und bescherte ihm Wohlstand.

Besonderen Ruhm erlangte er, als er 1898 in der Zeitung l’Aurore unter dem Titel „J’accuse“ einen offenen Brief an den Präsidenten Felix Faure veröffentlichte, in dem er die Regierung des Antisemitismus anklagte, weil sie den jüdischen Armeeoffizier Alfred Dreyfus (1859-1935) widerrechtlich ins Gefängnis geworfen hatte. Zola wurde daraufhin strafrechtlich verfolgt, konnte jedoch nach Norwood im Süden von London fliehen und kehrte ein Jahr später nach Frankreich zurück, nachdem ihm die dort inzwischen amtierende neue Regierung Amnestie gewährt hatte.

Zola war ein führender Vertreter der so genannten naturalistischen Schule, die das menschliche Leben freimütig und ohne Scheu vor schmutzigen Details beschrieb. Er schöpfte dabei aus seinen angeeigneten Kenntnissen der Sozialgeschichte und aus wissenschaftlichen Beobachtungen der Arbeits- und Lebensbedingungen in den Industriegebieten.

Die beiden wichtigsten von insgesamt mehr als 30 Romanen sind aus Sicht des Industriehistorikers Germinal von 1885 und La Bete Humaine (Die Bestie im Menschen) von 1890. Germinal spielt in Nordfrankreich und kreist um das Leben von Etienne Lantier, eines arbeitslosen Eisenbahners, der durch Zufall sein Auskommen in einer Zeche namens Le Voreux (metaphorisch beschrieben als dämonisches Tier) findet. La Bete Humaine erzählt die Geschichte einer qualvollen Liebe im Leben eines Lokführers. Im Zuge seiner Recherchen für die beiden Werke besuchte Zola verschiedene Zechen und fuhr wiederholt im Führerstand einer Lokomotive mit.

Jean Renoir (1894-1979) verfilmte La Bete Humaine 1938 auf ausnehmend schöne Weise, auch wenn die darin auftretenden Lokomotiven nicht den technischen Entwicklungsstand der Zeit Zolas wiedergeben, sondern Exemplare nach Entwürfen von Andre Chapelon aus den 1930er Jahren zeigen.

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