Eryk Josef Woszczychi (1921 – 2002)

Wanderungsbewegungen auf der Suche nach Arbeit waren immer Teil des Industrialisierungsprozesses. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich viele Europäer – insbesondere solche aus der Osthälfte des Kontinents – an Orten wieder, die sowohl in räumlicher als auch in sozialer Hinsicht weit von ihren heimatlichen Wurzeln entfernt waren.

Der Metzgersohn Eryk Josef Woszczychi kam in Golasowice bei Katowice im polnischen Teil von Schlesien zur Welt. Sein Leben lang behielt er Erinnerungen daran, wie er mit seinem Vater auf einem Pferdekarren zum Markt fuhr. Er war 18 Jahre alt, als Polen 1939 von den Armeen des Dritten Reichs und der UdSSR überfallen wurde. Auf einem Schiff des Roten Kreuzes floh er aus seinem Heimatland und erreichte Großbritannien, wo er sogleich der polnischen Exilarmee beitrat und sich zum Motorradboten ausbilden ließ. Er kämpfte in dieser Armee von der Normandie bis in die Niederlande. Dort wurde er verwundet, kehrte jedoch nach seiner Genesung an die Front zurück und erlebte das Kriegsende als ordentlicher Soldat seines Regiments.

Sein Vater warnte ihn eindringlich davor, nach Polen zurückzukehren, weil die kommunistische Regierung allen Landsleuten, die im Westen gekämpft hatten, feindselig gegenüberstünde. Also kehrte er nach Großbritannien zurück, kam vorübergehend in ein Auffanglager in Schottland und wechselte im Mai 1946 in das Oakdale Training Centre in Blackwood in Südwales, wo er eine Ausbildung zum Bergmann durchlief. Er traf seine walisische Frau in Ma’s Café in Blackwood, einem jener vielen einander ähnelnden Kaffeehäuser des Kohlereviers, deren meist italienische Betreiber zwei Generationen zuvor hier eingewandert waren. Wie die meisten polnischen Bergarbeiter traf er anfänglich auf Ablehnung, wurde von der lokalen Bevölkerung aber schon bald als vollwertiges Mitglied akzeptiert und integriert. Er bildete sich zum Monteur fort und arbeitete 34 Jahre auf der Zeche Britannia bis zu seiner Pensionierung 1982. In seiner Zeit untertage erlitt er insgesamt zwei schwere Verletzungen. Zweimal reiste er mit seiner Frau nach Polen. Das erste Mal, 1964, legte der die gesamte Strecke in seinem Morris 1100 zurück.

Eine Abschrift seines Lebensberichts befindet sich im Bergwerksmuseum Big Pit in Blaenavon.

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