Arno Wolff (1931)

Das Leben von Arno Wolff ist wie im Fall so vieler anderer europäischer Arbeiter vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Gebürtig ist er aus Ostpreußen. Sein Vater diente in der Reichswehr und fiel an der Ostfront. 1944, als die Rote Armee nach Westen vordrang, ergriff er zusammen mit seiner Mutter die Flucht. Die ehemalige Heimat wurde später ein Teil Polens.

Die Familie ließ sich in Neumünster bei Hamburg nieder. Dort gab es kaum Arbeit, und so begann Arno Wolff 18-jährig eine Ausbildung zum Bergarbeiter. Die ersten drei Berufsjahre verbrachte er in der Zeche Concordia in Oberhausen. Drei Jahre später wechselte er zu Schachtbau Thyssen, einer Firma, die sich auf das Abteufen von Bergwerksschächten spezialisiert hatte und die ihre Aufträge unter anderem vom National Coal Board in Südwales erhielt. Die dort eingesetzten Arbeitskräfte waren ursprünglich alle deutsch. Sie arbeiteten sieben Tage die Woche in Acht-Stunden-Schichten und wohnten – jeweils zu viert auf einem Zimmer – in Nissenhütten. Im Laufe der Zeit beschäftigte das Unternehmen jedoch zunehmend walisische Bergarbeiter, so dass die Deutschen mehr Kontakt zur lokalen Bevölkerung bekamen.

1956 begann Arno Wolffs Beschäftigung auf der Zeche Brynlliw in Grovesend bei Gorseinon. Er bekam Unterkunft bei einer ältlichen Bergmannwitwe, die ihn am Ende seines ersten Arbeitstags mit einem heißen Bad empfing und ganz erstaunt war zu erfahren, dass sich seit dem Tod ihres Mannes einiges geändert hatte und nun jede Zeche mit einer Waschkaue ausgestattet war. 1963 heiratete er eine Waliserin und siedelte sich in Llangennech an, wo er sich im Gegensatz zu seinen deutschen Arbeitskollegen ganz in die Dorfgemeinschaft integrierte. Ungeachtet dessen gehörte er zu jenen, die jedes Jahr in einem Club in Cynheidre voller Begeisterung den rheinischen Karneval feierten. Seine Söhne spielten Rugby, und er selbst begann sich für die Geschichte der lokalen Nonkonformisten-Gewerkschaften und Bergarbeiterschulen zu interessieren.

Die Schließung zahlreicher Zechen in Südwales machte Kontraktfirmen wie Schachtbau Thyssen überflüssig. Seit 1981 stand Arno Wolff daher beim britischen National Coal Board in Lohn und Brot. Er bekam Arbeit in Cynheidre. Dort hatte er Gelegenheit, einen 100 Jahre alten Zechenbetrieb kennen zu lernen, in dem sogar noch die Ställe für die Grubenpferde intakt waren. 1988 ging er in den Ruhestand.

Eine Abschrift seines Lebensberichts befindet sich im Bergwerksmuseum Big Pit in Blaenavon.

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