William Wilkinson (1744 – 1808)

William Wilkinsons Wirken war der eigentliche Kanal, über den während des 18. Jahrhunderts britische Innovationen in der Eisenproduktion nach Kontinentaleuropa gelangten. Er war der Sohn des Metallgießers Isaac Wilkinson (1695-1784) und der jüngere Bruder von John Wilkinson (1728-1808), dem bekanntesten britischen Eisenfabrikanten in der Zeit der Industriellen Revolution.

William und John wuchsen gemeinsam in Cumbria auf, wo der Vater eine Anstellung an dem mit Koks betriebenen Hochofen in Little Clifton und an den Hochöfen von Backbarrow and Lowood hatte. 1749 zog die Familie nach Bersham in Nordwales, wo sich ebenfalls ein Hochofen befand. John Wilkinson wandte sein Hauptaugenmerk seit Mitte der 1750er Jahre neuen Eisenhütten in Shropshire und Staffordshire zu. Nach einem Streit mit dem Vater übernahmen die beiden Brüder 1774 das Hüttenwerk in Bersham als Geschäftspartner. Zugleich hielt William ein Achtel der Anteile an John Wilkinsons Hütte in Snedshill, Shropshire.

1777 verließ William die britischen Inseln Richtung Frankreich, nachdem bereits zwei Jahre zuvor der Franzose Marchant de la Houlliere der Eisenhütte in Bersham einen Besuch abgestattet hatte. Williams Entwürfe für ein großes Eisenwerk in Indret nahe der Loiremündung wurden von Pierre Toufaire umgesetzt, jedoch erwies sich die Fabrik als wenig erfolgreich und produzierte nur wenige Geschütze. Daraufhin übernahm Ignace de Wendel, Offizier der Artillerie und Mitglied einer Familie mit großer Erfahrung in der Eisenproduktion, die Leitung des Projekts. Seine Diagnose lautete, dass ein Schmelzofen mit Koksfeuerung notwendig wäre, um hochwertige Kanonen zu erzeugen. De Wendel war auch verantwortlich für die Errichtung der Fonderie Royale (Königlichen Waffenfabrik) von Le Creusot, deren erste Bauphase vier Hochöfen und 24 Kilometer Eisenbahnstrecke einschloss.

Ein zeitgenössischer Stich beschreibt den letzten Abschnitt der Reise eines Dampfmaschinenzylinders mit der Aufschrift Wilkinson von Bersham nach Le Creusot. Im dortigen Museum ist einer dieser Zylinder noch heute zu sehen. 1782 traf William Wilkinson seinen Bruder in Namur. John Wilkinson unterhielt zahlreiche Geschäftsbeziehungen nach Kontinentaleuropa und belieferte in den 1780er Jahren die Pariser Wasserwerke mit Dampfmaschinenzylindern und gusseisernen Rohren.

William Wilkinson kehrte, da die Geschäfte der Fonderie Royale zunächst schlecht liefen, 1786 nach Großbritannien zurück. 1789 zog er nach Plas Grono bei Bersham und musste bald feststellen, dass sein Bruder im benachbarten Brymbo ein Grundstück gepachtet hatte und im Begriff war, dort ein Zweigwerg von Bersham zu errichten. Ein heftiger Streit entbrannte, in dessen Verlauf sich herausstellte, dass John Wilkinson wiederholt die Patente von James Watt verletzt hatte, indem er dessen Dampfmaschinen heimlich nachbaute und verkaufte. Der Fall kam vor das Kanzleigericht und schließlich vor das King’s Bench, eines der königlichen Zentralgerichte. Schließlich übernahm John Wilkinson die Anteile seines Bruders in Bersham und zahlte ihm eine Abfindung in Höhe von 8000 Pfund.

William Wilkinson war zu keiner Zeit eine führende Figur in der britischen Eisenindustrie, aber in seiner Rolle als Vermittler neuer Technologien nach Frankreich erlangte er große Bedeutung.

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