James Watt (1736 – 1819)

James Watt war ein Genie mit vielen Begabungen. Er stand im Zentrum jener technologischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die das Großbritannien des 18. Jahrhunderts prägten und unter dem Begriff Industrielle Revolution bekannt sind.

Sein Geburtsort ist Greenock. Der Vater, James Watt (1698-1782), war ein wohlhabender Kaufmann und genoss in der schottischen Hafenstadt hohes Ansehen. James Watt junior hatte ein besonderes Talent für Mathematik und durchlief in Glasgow eine Ausbildung zur Herstellung mathematischer Geräte. 1755-56 hielt er sich in London auf, um Berufserfahrung zu sammeln. Er machte die Bekanntschaft des gefeierten Dr Joseph Black (1728-99) von der Glasgow University, der ihn als „jungen Mann mit höchst ungewöhnlichen Begabungen im Hinblick auf theoretische und praktische Mechanik“ pries. Er lernte Deutsch und Italienisch und interessierte sich für verschiedene neue Technologien, zu denen auch die Porzellanherstellung zählte. Überdies führte er Inspektionen des Caledonian Canal und anderer schottischer Wasserstraßen durch – eine Tätigkeit, die bald darauf das ausdrückliche Lob Thomas Telfords erhielt.

Sein Hauptinteresse jedoch galt der Verbesserung der Dampfmaschine. Nachdem er 1765-66 in Schottland einige Dampfmaschinen des Typs Newcomen montiert hatte, meldete er 1769 sein erstes Patent für einen separaten Kondensator an. 1774 zog er nach Birmingham, wo er eine Geschäftspartnerschaft mit Matthew Boulton (1728-1809) einging, um die Dampfmaschine weiterzuentwickeln. Die ersten von ihm optimierten Maschinen wurden 1776 aufgestellt. Anfangs lieferten Boulton und Watt lediglich Konstruktionszeichnungen. Zusätzlich boten sie ihren Kunden eine Auswahl an Schlüsselkomponenten, etwa Ventile, sowie die Installation der Maschinen.

Watt war nur einer von vielen Ingenieuren, die sich im späten 18. Jahrhundert mit der Dampfkraft beschäftigten. So war sein 1782 patentierter Einsatz von Umlaufgetrieben zur Erzeugung von Rotationsbewegungen aus der Not geboren, weil James Pickard etwa zur selben das Patent für eine Kurbel erhielt, die denselben Zweck verfolgte. Watt legte großen Wert darauf, dass seine Dampfmaschinen hohe Standards erfüllten. Deshalb benutzte er für bestimmte Maschinenteile ausschließlich schwedisches Eisen, das er bei Händlern in Birmingham erwarb. 1878 lieferte er das erste Mal ins Ausland. Um 1800, als seine Patente ausliefen, hatte die Firma Boulton & Watt bereits 24 Dampfmaschinen an Kunden in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, in den Niederlanden und bis hin nach Österreich, Schweden und Russland verkauft.

In den 1790er Jahren stellte sich heraus, dass andere Dampfmaschinenhersteller, namentlich der Eisenfabrikant John Wilkinson, mit unrechtmäßigen Nachbildungen gegen Watts Patente verstoßen hatten. Watt entwickelte daraufhin paranoische Vorstellungen. Nachdem er 1796 mit seinem Geschäftspartner die Soho-Fabrik gegründet und damit die eigene Dampfmaschinenherstellung gesichert hatte, zog er sich nach und nach aus dem Geschäftsleben zurück. Während des kurzen Friedens nach dem Abkommen von Amiens 1802 besuchte er Frankfurt, Straßburg und Paris.

Bereits 1781 hatte Watt ein Kopierverfahren entwickelt, das es erlaubte, Kopien aller technischen Zeichnungen und der gesamten Geschäftskorrespondenz anzufertigen. Das macht die Boulton & Watt Collection in Birmingham heute zu einem der wichtigsten Archive der Industriellen Revolution.

Watt beschäftigte sich zeit seines Lebens mit Geologie, Mineralogie und Chemie. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er Ehrungen in Russland, den Niederlanden und Frankreich. Dennoch betrachtete er seine Erfolge nie als besonders herausragend.

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