Werner von Siemens (1816 – 92)

Werner von Siemens war der erfindungsreiche Gründer einer Elektrofirma, die zur größten ihrer Art in Deutschland aufstieg und von Anfang an die Gestalt eines international tätigen Konzerns annahm.

Siemens kam in Lenthe bei Hannover zur Welt und durchlief die Ausbildung zum Ingenieur während des Militärdienstes. Schon bald patentierte er einen Zeigertelegrafen, der die telegrafische Nachrichtenübermittlung ohne Morsezeichen erlaubte. Ein weiteres Patent erhielt er für ein galvanisches Verfahren, das sein Bruder, Carl Wilhelm Siemens (1823-83), in England vermarktete. 1847 gründete er die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens und Halske”, um dort seinen Zeigertelegrafen zu produzieren.

Sein jüngerer Bruder Carl von Siemens (1829-1906) legte 1855 den Grundstein für eine Zweigniederlassung in Russland, und Carl Wilhelm von Siemens gründete 1858 eine Tochterfirma in London. Siemens betrieb die Verlegung von Tiefseekabeln und ermöglichte auf diese Weise die telegrafische Kommunikation von Kontinent zu Kontinent. Das erste dieser überseeischen Fernsprechkabel verband London mit Kalkutta. 1866 entdeckte er das Prinzip des Dynamos. Außerdem spielte er eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Elektrofahrzeugen. So baute er eine heute im Deutschen Museum ausgestellte Elektrolok, die 1877 auf der Berliner Gewerbeschau mit Passagieren eine Strecke von 277 Metern zurücklegte. 1882 entwickelte er überdies den ersten O-Bus. Sein 1877 patentierter Tauchspulenwandler wurde in den 1920er Jahren als Lautsprecher in das ursprünglich von Alexander Bell entwickelte Telefon eingesetzt.

Die Nachfolge von Werner von Siemens als Leiter der Firma trat zunächst Carl Siemens an, gefolgt von weiteren Familienmitgliedern. Hauptsitz des Unternehmens war Berlin, wo seit 1898 zwischen Charlottenburg und Spandau ein neuer Produktions-, Forschungs- und Verwaltungskomplex entstand, der später Siemensstadt genannt wurde. Das 1922 gegründete Werksmuseum zog gemeinsam mit einem Teil der Firma nach dem Zweiten Weltkrieg nach München. Dort, im Werner-von-Siemens-Institut für Geschichte des Hauses Siemens, wird heute das Firmenarchiv aufbewahrt.

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