Sir Bernhard Samuelson (1820 – 1905)

Bernhard Samuelson förderte die internationale Verbreitung von Technologien der Eisen-, Stahl- und Maschinenbauindustrien und verfocht in Großbritannien die Einhaltung hoher technischer Ausbildungsstandards, die er zuvor anderswo in Europa kennen gelernt hatte.

Er kam in Hamburg zur Welt als Sohn eines jüdischen Kaufmanns mit Handelsinteressen in Liverpool und Hull. Nach einer Privaterziehung in einem Pfarrhaus in Yorkshire absolvierte er eine sechsjährige Lehre in einem Liverpooler Handelsbüro. 1841 übernahm er das Kontinentalgeschäft des in Manchester ansässigen Maschinenbaubetriebs Sharpe, Steward & Co. und errichtete von 1846-48 eine Zweigstelle in Tours.

1848 kehrte er nach England zurück. Dort erfuhr er – wahrscheinlich auf Vermittlung seines Bruders Martin, der als Assistent des Ingenieurs C. B. Dockray für die Buckinghamshire Railway arbeitete – von der Britannia-Gießerei in Banbury, Oxfordshire, die nach dem Tod von James Gardner, dem Erfinder des so genannten Banbury-Steckrüben-Schneiders, zum Verkauf stand. Mit Hilfe des örtlichen Bankiers Timothy Rhodes Cobb, den er 1858 als “meinen ältesten Freund in Banbury” bezeichnete, übernahm er 1849 die besagte Gießerei und gewann seinen Bruder Alexander als Assistenten der Geschäftsführung.

1851 erwarb er die Lizenz zur Herstellung der McCormick-Mähmaschine, eines jener herausragenden Produkte, die die USA auf der Großen Weltausstellung im Londoner Kristallpalast präsentierten. Mäher und Rübenschneider bildeten fortan die Basis für die Expansion der Firma.

Die Belegschaft in Banbury wuchs von 27 Beschäftigten 1849 auf 400 Beschäftigte 1865 und erreichte 1871 sogar die Fünfhundertermarke. 1861 produzierte die Firma rund 18.000 Maschinen pro Jahr, davon 5.000 Rübenschneider.

Die Mähmaschinen gewannen in den 1870er Jahren Preise in Gurdainville, Montauban und Quimper in Frankreich, 1868 in Berlin, 1877 in Canterbury in Neuseeland und 1900 auf der Weltausstellung in Paris. Lobende Erwähnungen gab es außerdem in Irland und in Franeker in den Niederlanden, und nach dem Kongress in Berlin von 1878 verließen ganze Zugladungen von Mähmaschinen den Hafen von Hull in Richtung Odessa.

1853 besuchte Samuelson die Landwirtschaftsausstellung in Cleveland, wo C. B. Dockray ihn mit John Vaughan bekannt machte, dem Pionier der Eisenindustrie in diesem Teil von Yorkshire. Im Jahr darauf errichtete Samuelson zwei Hochöfen in South Bank, Middlesborough, und erwarb im Anschluss Bergwerke, die die notwendigen Kohle- und Erzlieferungen gewährleisteten. 1863 verkaufte er das Hüttenwerk in South Banks und baute unmittelbar darauf einen 16 Hektar großen Industriekomplex bei Newport, der bis 1870 acht Hochöfen zählte. In den 1870er Jahren erwarb er Zechen in Hedleyhope und Eisenerzminen in Spawood.

Samuelson trug entscheidend zur Entwicklung der Hochofentechnologie bei. So konnte er beweisen, dass bei niedrigerem Brennstoffverbrauch höhere Leistungen erzielt wurden, wenn man die Hochöfen nicht höher, sondern mit größerem Umfang baute und zugleich die Temperaturen der Winddüsen heraufsetzte. Überdies baute er Koksöfen, die die Nebenprodukte des Verbrennungsprozesses besser ausnutzten. Seine veröffentlichten wissenschaftlichen Schriften enthielten u. a. einen Bericht über die Eisenhüttenwerke im italienischen Terni.

1870 begann er mit dem Bau des Hüttenkomplexes Britannia in Middlesborough, wo er 120 Puddelöfen installierte. 1879 verkaufte er die Anlage an Dorman Long. In Frankreich kam er in Kontakt mit dem Herdfrischverfahren zur Stahlherstellung, doch sein 1869 im Hüttenwerk von North Yorkshire gestarteter Versuch, das Verfahren zur Herstellung von Schienen zu nutzen, schlug fehl und brachte ihm finanzielle Verluste ein.

Samuelson saß 1859 und von 1865 bis 1895 für Banbury im Parlament. Seit 1867 reiste er im Auftrag mehrerer aufeinander folgender Regierungen durch Europa, um die verschiedenen Formen technischer Ausbildung zu studieren, und saß 1868 einem parlamentarischen Ausschuss zu diesem Thema vor. Zudem war er von 1882-84 Mitglied der Königlichen Kommission für Wissenschaftlichen Unterricht. 1867 erstattete er dem Außenministerium Bericht über den Eisenhandel mit Frankreich. Abgesehen davon hegte er ein starkes Interesse für Patentrecht, Eisenbahngesetzgebung und internationale Ausstellungen..

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