Thomas Newcomen (1663 – 1729)

Thomas Newcomen, ein Eisenhändler aus dem Hafen von Dartmouth in Devon, erfuhr von den Schwierigkeiten bei der Wasserhaltung in den Zinn- und Kupferminen West-England, weil er regelmäßig Eisen aus den Schmieden im Stour Valley gekauft und zudem als Baptist religiöse Beziehungen in die West Midlands unterhalten hatte. Er entwickelte daraufhin eine effiziente automatische Dampfmaschine, deren erstes Exemplar vermutlich eingesetzt wurde, um 1712 ein Kohlebergwerk in Coneygre, Dudley trockenzulegen. Ein funktionsfähiger Nachbau der Maschine steht im nahegelegenen Black Country Museum. Wenn sich der Zylinder der Maschine mit Dampf füllte, wurde der Kolben herausgedrückt und bewegte einen Hebelarm, an den eine Pumpe angeschlossen war. Der Dampf wurde dann im Zylinder durch einen Wasserstrahl kondensiert, so dass der atmosphärische Außendruck den Kolben wieder in den Zylinder hineindrücken konnte. Daher kommt der Name „Atmosphärische Dampfmaschine“.

Man ging damals davon aus, dass Newcomens Maschine unter das Patent von Thomas Savery (1650-1715) fiel, das von einem Konsortium kontrolliert wurde, bis es 1733 erlosch. Zu dieser Zeit waren bereits etwa hundert Maschinen in Großbritannien und mehrere Exemplare in anderen Ländern installiert worden. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts bildete Newcomens Modell, oft „die gewöhnliche Maschine“ genannt, die Grundlage für die effizientere Bauform von James Watt (1736-1819). Auf den Kohlefeldern, wo Energiekosten irrelevant waren, bildete sie aber eine preiswerte und  zuverlässige Energiequelle, für die keine Lizenzgebühren anfielen wie für die Maschine von Watt. Daher wurden noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein neue Exemplare davon gebaut, obwohl die Patente auf Watts Maschine 1800 erloschen waren. Einige Newcomen-Maschinen liefen sogar noch im 20. Jahrhundert.

Anlässlich von Newcomens 300. Geburtstag wurde 1963 in Dartmouth ein Exemplar aus Hawkesbury bei Coventry als Denkmal aufgestellt. Ein Modell aus dem frühen 19. Jahrhundert hat in Elsecar bei Sheffield in situ überlebt. Weitere Maschinen stehen in Museen und in Dannemora in Schweden ist das Maschinenhaus für eine 1727 von Mårten Triewald gebaute Newcomen-Maschine erhalten geblieben. Newcomens Genie würdigte 1747 ein französischer England-Reisender, als er schrieb: „Mehr als jedes andere Land besitzt England von diesen Maschinen, die dem Staat so nützlich sind, weil sie die Menschen ganz einfach vermehren, indem sie ihre Arbeit vermindern; und mit denen ein Mann erledigen kann, wofür sonst dreißig nötig wären.“ Und ein Bergarbeiter aus Cornwall kommentierte: „Mr. Newcomens Erfindung der Feuermaschine machte es möglich, dass wir unsere Bergwerke zwei Mal tiefer hinunter treiben konnten als zuvor mit jeder anderen Maschine.“

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