James Nasmyth (1808 – 90)

James Nasmyth war ein erfindungsreicher Ingenieur und erfolgreicher Unternehmer, dessen Schriften über seine frühe Karriere eine wertvolle Quelle für den Zustand der britischen Industrie in den 1830er Jahren darstellen.

Er kam in Edinburgh zur Welt. Sein Vater war Alexander Nasmyth (1758-1840), ein Künstler, Gestalter von Brücken und Freund des Dichters Robert Burns. An der Oberschule in Edinburgh lernte er Jemmy Patterson kennen, den Sohn eines Eisengießers, und baute mit nur 17 Jahren in der Werkstatt seines Vaters eine Dampfmaschine. In seinen frühen Zwanzigern ging er nach London und wurde 1829 Assistent in der Maschinenbaufabrik von Henry Maudslay (1777-1831). 1832 begab er sich auf eine längere Reise durch die Industriezentren der Midlands und des Nordens, während der er u. a. die Lokomotive Rocket bei Liverpool zeichnete, die Textilfabriken von Manchester erkundete und das Hüttenwerk in Coalbrookdale in Augenschein nahm.

1834 gründete er eine eigene Werkstatt für Werkzeugmaschinen in Manchester. Sie lag im ersten Stock einer zum Mietshaus umfunktionierten ehemaligen Textilfabrik, und das Unglück wollte es, dass die Achse einer gerade in Arbeit befindlichen Dampfmaschine den Boden durchschlug und in die Betriebsräume eines darunter ansässigen Glasschneiders krachte. Ab 1836 baute James Nasmyth mit geborgtem Geld die Bridgewater-Gießerei in Patricroft westlich von Manchester, direkt am Bridgewater-Kanal und nicht weit von der Eisenbahnstrecke der Liverpool & Manchester Railway gelegen.

1839 entwarf er den A-förmigen Dampfhammer, der ursprünglich dazu dienen sollte, die Schaufelradwelle der SS Great Britain zu schmieden, auch wenn Brunels großes Schiff schließlich von einer Schraube angetrieben wurde. 1842 wurde der Dampfhammer patentiert, eine doppelt wirkende Version erlangte ein Jahr später Marktreife.

Den ersten tatsächlich arbeitenden Dampfhammer konstruierten allerdings Franzosen in Le Creusot, nachdem sie bei einem Englandbesuch Nasmyths Zeichnungen gesehen hatten. Doch war es Patricroft, das in der Folgezeit große Mengen der Maschine produzierte. Sie diente vor allem dem Zängen von Schmiedeeisen und der Herstellung größerer Schmiedeteile, wie sie frühere Hämmer – ob wasser- oder dampfgetrieben – bis dato nicht zuwege gebracht hatten.

Die Prinzipien des Dampfhammers kamen auch bei der Entwicklung der Dampframme zur Anwendung. Abgesehen davon erfand Nasmyth noch eine ganze Reihe weiterer Werkzeugmaschinen, darunter eine Mutterngewindefräsmaschine, eine hydraulische Stanzmaschine und eine Gelenkwelle zum Antrieb kleiner Bohrgeräte. Er entwarf eine hydraulische Presse und eine Gießpfanne, die es dem Gießer ermöglichte, große Mengen an geschmolzenem Metall zu befördern.

1856 ging er in den Ruhestand und verfolgte fortan eine bedeutende Karriere als Amateurastronom, in deren Verlauf er Artikel und Bücher über die Sonne und den Mond veröffentlichte. Einer der Mondkrater trägt sogar seinen Namen.

Die Bridgewater-Gießerei existierte fort und wurde im Zweiten Weltkrieg eine Fabrik der Königlichen Artillerie.

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