Alfred Krupp (1812 – 87)

Die Aufzeichnungen der Kruppfamilie im Rheinland gehen zurück auf das Jahr 1587. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte zu den von Friedrich Krupp (1787-1826) ererbten Besitzungen unter anderem eine Schmiede in Essen. Als 1811 die Versorgung mit englischem Tiegelstahl durch Napoleons Kontinentalsperre unterbrochen wurde, gründete Friedrich Krupp zusätzlich eine Gießerei. Allerdings erzeugte er seinen ersten Gussstahl erst 1816, und noch bevor er starb, kam die Stahlproduktion fast vollständig zum Erliegen.

Erst sein Sohn Alfred Krupp machte die kleine Firma zum größten Industriewerk Europas. Die Gelegenheit dazu ergab sich mit dem Aufbau des deutschen Eisenbahnnetzes. Alfred Krupp passte sich der Entwicklung an, indem er seine Werke entsprechend umrüstete und von nun an Schienen walzte, Lokomotiven und Waggons herstellte und Betonstahl zur Verfügung stellte. 1851 führt er eine neue Herstellung von Radreifen für Eisenbahnfahrzeuge ein. Im selben Jahr präsentierte er auf der Londoner Weltausstellung den mit einem Gewicht von 40 Zentnern bis dahin größten gegossenen Stahlblock überhaupt nebst einer 2,7 Kilogramm schweren Kanone.

Der Ausbau seiner Firma folgte dem Muster früherer Generationen englischer Einsenproduzenten: Eigene Bergwerke versorgten die Hochöfen mit Eisenerz und Kohle, neu gegründete Ingenieurbetriebe verarbeiteten den Gussstahl der Gießereien und das Eisen der Schmieden weiter und setzten die Produkte zu Maschinen zusammen. Schon früh investierte Krupp in das Bessemer-Verfahren zur Herstellung kohlenstoffarmen Stahls. Die ersten Kanonen aus Stahl entstanden in den 1840er Jahren. Rund vier Jahrzehnte später machten Rüstungsgüter die Hälfte der Gesamtproduktion aus.

Mit 20.200 Beschäftigten galt die Firma damals als größter Industriekonzern der Welt. Dabei genoss Krupp den Ruf eines freundlichen Arbeitgebers. Seine Arbeitersiedlungen, speziell Altenhof I und II sowie die 1906 von seiner Schwiegertochter errichtete Wohnsiedlung Margarethenhöhe in Essen, sind wohldurchdacht und weitläufig. Gesundheits- und Rentenleistungen wurden ebenso gewährt – aus philanthropischen und disziplinarischen Gründen gleichermaßen. Das Kruppsche Herrenhaus, die Villa Hügel in Essen-Bredeney, ist heute ein Museum.

Die Familie kontrollierte den Konzern bis ins 20. Jahrhundert. Alfried Krupp (1907-67) wurde wegen seines Einsatzes von Zwangsarbeitern während des Dritten Reichs als Kriegsverbrecher angeklagt und 1948 verurteilt, doch schon zwei Jahre später wieder begnadigt. 1953 übernahm er wieder die Leitung des Konzerns.

Nach vielen nachfolgenden Veränderungen fusionierte die Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp 1999 zur ThyssenKrupp AG, die im Ruhrgebiet nach wie vor eine bedeutende Kraft darstellt.

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