Abiah Darby (1716 – 94)

Abiah Darby (geborene Maude, in erster Ehe Sinclair) war die Frau des Eisenfabrikanten Abraham Darby II (1711-63) von Coalbrookdale, der in den 1750er Jahren ein Managementmodell für die Eisenindustrie entwickelte, das andernorts in Großbritannien und auch in anderen europäischen Ländern bald Nachahmer fand. Ihre Tagebücher gewähren einen umfassenden Einblick in die Arbeits- und Lebensweise an einem Hüttenstandort in einer Zeit rascher Expansion und technologischer Neuerungen.

Sie wurde als Abiah Maude in Bishopswearmouth, Sunderland, in eine wohlhabende Quäkerfamilie geboren. Ihre erste Ehe mit John Sinclair endete 1737 mit dessen Tod. Abraham Darby traf sie 1745 und heiratete ihn im darauf folgenden Jahr. 1748, nach der Geburt ihrer Tochter Mary, hatte sie ein spirituelles Erweckungserlebnis und widmete einen Großteil ihres restlichen Lebens der Reisetätigkeit als Quäkerseelsorgerin. In Coalbrookdale nahmen sie und ihr Mann zunächst in Dale House Wohnung, das heute noch steht. 1750 zogen sie in ein neues, größeres, von einem Park umgebenes Haus, das sie Sunniside nannten in Anlehnung an den Familiensitz der Maudes in Bishopwearmouth, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. 

Abiah Darbys Berichte, die im Wesentlichen den Zeitraum von 1752-69 abdecken, stellen speziell für Historiker eine wertvolle Quelle dar im Hinblick auf die vielen Besucher, die in Coalbrookdale empfangen wurden, darunter Quäker – viele davon Amerikaner – und Nichtquäker, die sie „Bekannte, nicht Freunde“ nannte. Unter den Notizen finden sich auch Hinweise auf religiöse, von Quäkerpredigern geleitete Treffen in der Eisenhütte sowie Beschreibungen von Bootsreisen auf dem Severn. Außerdem enthalten die Tagebücher Passagen, die sich mit den Hungerrevolten von 1756 beschäftigen, sowie verschiedene aufschlussreiche Kommentare zum Bau der neuen Schmelzöfen in den 1750er Jahren und zu den hölzernen Schienen, die zu den Öfen führten.

Ein Brief von ca. 1775 enthält detaillierte Erinnerungen an den Wandel des Eisenhandels zur Zeit ihres Schwiegervaters Abraham Darby I (1678-1717), dem es 1709 erstmals gelang, brauchbares Roheisen mit Hilfe von Koks statt Holzkohle auszuschmelzen. Derselbe Brief geht auch auf die Veränderungen der Branche zu ihren eigenen Lebzeiten ein. 

Sie pflegte Kontakte zu John Fletcher (Jean Guillaume de la Flechere, 1729-1785), Vikar von Madeley, und zu dem Nachfolger John Wesleys als Führer der methodistisch-freikirchlichen Vereinigung Wesleyan Methodist Connexion. Der Gräfin Selina von Huntingdon (1707-91), einer weiteren führenden Wanderpredigerin, die 1768 Fletcher besuchte, stellte sie ihre Kutsche zur Verfügung. Sie besuchte oftmals Gefängnisse und trat für die Gründung von Sonntagsschulen ein. 

Nach dem Tod ihres Mannes war sie für eine Weile mit der Geschäftsführung der Eisenhütte befasst. Erst die Heirat ihrer Söhne Abraham Darby III (1750-89), bekannt als Erbauer der Eisenbrücke in Iron Bridge, und Samuel Darby (1755-96) entband sie von dieser Aufgabe. Ihre Berichte und sonstigen Schriften sind heute Bestandteil einer Biografie.

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