August Borsig (1804 – 54)

(Johann Friedrich) August Borsig war der Gründer eines der bedeutendsten Maschinenbauunternehmen in Deutschland. Als Sohn eines Zimmermanns kam er im schlesischen Breslau (Wroclaw) zu Welt und studierte später für einige Zeit Bauwesen, bevor er in Berlin eine kaufmännische Ausbildung aufnahm, die ihn schließlich zum Maschinenbau führte.

Er arbeitete in der Montageabteilung für Dampfmaschinen der F. A. Egells Neue Berliner Eisengießerei nahe dem Oranienburger Tor. Dort war er einige Jahre lang als Betriebsleiter tätig. Anschließend erwarb er ein Grundstück für eine Gießerei an der Chausseestraße gleich neben der Fabrik seines vormaligen Arbeitgebers und produzierte 1837 die ersten Gussstücke. Er erzeugte zunächst Maschinen zur Zuckerraffinierung, verlegte seinen Schwerpunkt jedoch zunehmend auf den Lokomotivbau. 1840 konstruierte er eine 2’B1’-Lok, die erfolgreich mit einem Exemplar von Robert Stephenson in England konkurrieren konnte und Borsig erste Aufträge bescherte. Seine 24. Lokomotive stellte er 1844 auf einer Messe in Berlin zur Schau, die 100. Lok vollendete er bereits zwei Jahre später. Darüber hinaus produzierte er Wasserpumpen sowie Konstruktionseisen für die Kuppeln der Nikolai-Kirche in Potsdam und des Stadtschlosses in Berlin.

1847 errichtete er in Berlin-Moabit ein zweites Werk, 1850 gefolgt von einer Fabrik samt Gießerei in der Moabiter Kirchstraße. Insgesamt zählten die drei Standorte um jene Zeit 1.800 Menschen. Er galt als wohlwollender Arbeitgeber und stellte für seine Beschäftigten Erziehungseinrichtungen, Speiseräume und ein Schwimmbad. Seine Firma erhielt zunehmend Aufträge aus dem Ausland, speziell aus dem Habsburger Kaiserreich, und vollendete in seinem Todesjahr die 500. Borsig-Lokomotive.

1872 war Borsig der größte Lokomotivhersteller Europas und unterhielt neben den drei Berliner Werken Produktionsstandorte in Zabrze in Schlesien sowie in Dortmund. Nach dem Tod von August Borsigs Sohn Albert 1878 begann eine Periode des allmählichen Niedergangs, die das Unternehmen im 20. Jahrhundert zum Gegenstand mehrerer Fusionen machte. Dennoch erzeugte die Firma nach wie vor bemerkenswerte Lokomotiven, darunter die drei stromlinienförmigen 2’C2’-Exemplare der Reihe 05 in den Jahren 1935-37, die gleich mehrere Geschwindigkeitsrekorde aufstellten. Eine von ihnen ist in Nürnberg zu sehen. Die letzte von insgesamt 16.352 Lokomotiven der Marke Borsig entstand 1954.

Das imposante Borsig-Tor, ein gotisch beeinflusstes Bauwerk am Eingang zum Hauptsitz des Unternehmens in Berlin, bildet heute das Portal eines Einkaufszentrums, das sich aus den ehemaligen Maschinenbauwerkstätten zusammensetzt. Teil dieses Komplexes ist auch der Borsig-Turm anno 1922, ein 65 Meter hohes Bürogebäude mit zwölf Stockwerken, das gemeinhin als erstes Hochhaus Berlins gilt.

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