Samuel Bamford (1788 – 1872)

Samuel Bamfords autobiografische Schriften vermitteln einen detaillierten und bewegenden Eindruck vom Alltag der Weber im Zeitalter der Industriellen Revolution.

Bamford kam in Middleton zur Welt, rund acht Kilometer nördlich von Manchester. Er war der Sohn eines muslimischen Webers, mithin eines religiösen Abweichlers, der auch als Teilzeitlehrer arbeitete und Leiter eines Armenhauses wurde. Sein Sohn genoss eine bessere Ausbildung als die meisten seiner Standesgenossen. Eine Weile ging er sogar in Manchester aufs Gymnasium, von dem ihn sein Vater allerdings wieder herunternahm, weil er ein Gegner des Lateinunterrichts war. Im jungen Erwachsenenalter arbeitete Samuel Bamford in Stofflagerhäusern, auf einem Bauernhof und als Matrose auf einem Kohlenschiff, das vom Tyne nach London segelte.

In den 1820er Jahre, in einer Zeit harter Unterdrückung, kam er zunehmend mit der Politik in Berührung. 1817 wurde er des Landesverrats angeklagt und später zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, nachdem er eine Gruppe von Arbeitern aus Middleton zu einer Protestveranstaltung auf St Peter’s Fields geführt hatte. Die Demonstration ging als Peterloo in die Geschichte ein, weil Soldaten das Feuer auf die Menge eröffneten und einige Demonstranten töteten.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis arbeitete Bamford als Journalist. 1840-41 veröffentlichte er eine politische Denkschrift unter dem Titel Passages in the Life of a Radical (Szenen aus dem Leben eines Radikalen) sowie 1849 die Early Days (Frühe Tage) genannten Memoiren seiner Kindheit. Allerdings konnte er von seinen Schriften nicht leben und erhielt 1846 Unterstützung durch eine öffentliche Spendenaktion. Er verfasste Gedichte und setzte sich für den Lancashire-Dialekt ein. 1849 sagte die Schriftstellerin Elizabeth Gaskell über ihn, er sei „der herzlichste Bewunderer des Dichters Tennyson, den ich kenne“. Sie fügte hinzu, dass Bamford „in einem Zustand ehrbarster Armut lebe, zusammen mit seiner niedlichen apfelgesichtigen Frau“. Die Jahre von 1851-58 verbrachte er als Bürobote in Somerset House in London. Danach kehrte er nach Manchester zurück, wo er sich jedoch – wie die ganze Zeit schon seit Beginn der Chartisten-Bewegung 20 Jahre zuvor – mit den Tendenzen der radikalen Politik nicht anfreunden konnte. Middleton fiel unter den Orten um Manchester insofern aus der Rolle, als in der dortigen Textilindustrie noch bis weit ins 19. Jahrhundert die Heimarbeit anstelle der andernorts längst üblichen Fabrikproduktion vorherrschte.

Bamfords Schriften schildern den Rhythmus des Heimarbeiterlebens, die langen Arbeitsstunden bis zur Fertigstellung eines Auftrags, die rituellen Reisen, die die Weber alle 14 Tage zu den Händlern in den Lagerhäusern von Manchester unternahmen, um dort ihren Ranzen mit fertigen Arbeiten abzuliefern. Er erzählt auch von dem befreienden Gefühl, das die Urlaubswoche (Wakes Week) im Sommer und die üblicherweise zweiwöchige Festzeit um Weihnachten und Neujahr prägte. Aus den 1820er Jahren, in denen er sowohl per Postkutsche als auch zu Fuß viel unterwegs war, stammen seine lebendigen Beschreibungen des Straßenverkehrs rund ein Jahrzehnt vor der Eröffnung der ersten Eisenbahnlinien.

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