Joseph-Marie Jacquard (1752 – 1834)

Der Jacquard-Webstuhl war eine Erfindung vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die weltweite Bekanntheit erlangte. Seine Verwendung von Lochkarten zur Erzeugung eines Gewebemusters machte ihn zum ersten gängigen Anwendungsbeispiel für die Automatisierung in der Weberei. Viel später war diese Idee des "Programmierens" eine Grundlage der Informatik.

Joseph-Marie Jacquard kam 1752 im mittelfranzösischen Lyon zur Welt, das seit der Renaissance ein Zentrum des Seidenhandels war. Sein Vater war Webmeister. Joseph-Marie ging nicht zur Schule und lernte erst lesen, als er im Alter von 13 Jahren Unterricht von seinem Schwager erhielt. Seine Mutter starb, als er 10 Jahre alt war, seinen Vater verlor er mit 20. Er versuchte sich in verschiedenen Berufen, unter anderem als Buchbinder, Schriftsetzer, Schneidwarenhersteller, Bleicher für das Stroh von Hüten sowie Kalkbrenner. 1778 heiratete er Claudine Bouichon, deren Mitgift ihn vor dem Bankrott bewahrte.

Möglicherweise animierten ihn die Geräte seines Vaters dazu, Maschinen für die Weberei zu erfinden. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Als er jedoch 1801 auf der Pariser Fachausstellung für Erzeugnisse der französischen Industrie eine Maschine zur Automatisierung der Musterweberei vorstellte, wurde er an das Conservatoire des Arts et Metiers eingeladen. Dort verbesserte er seine Erfindung durch die Kombination viel früherer Ideen, die auf Basile Bouchon, Jean Baptiste Falcon und Jacques Vaucanson zurückgehen.

Der Jacquardwebstuhl verwendete viele Lochkarten hintereinander, um Kette und Schuss beim Weben abwechselnd einzusetzen und so ein Muster zu erzeugen. Die Reihenfolge der Karten ergab ein bestimmtes Muster, und sie konnte geändert werden, um ein anderes Muster zu erzeugen. Das machte das manuelle Weben viel schneller und genauer.

1805 erklärte Napoleon die Erfindung Jacquards zum Eigentum der Stadt Lyon. Im Gegenzug erhielt Jacquard eine lebenslange Rente und eine Lizenzgebühr auf jeden Webstuhl. Tausende davon installierten die Seidenweber in den folgenden Jahren. Die Technologie wurde auf andere Textilien und später auf Webmaschinen mit Kraftantrieb angewandt. Das Konzept der binären Lochkarte - "an" oder "aus" - beeinflusste Charles Babbage bei der Entwicklung der Idee des programmierbaren Computers.