Carl Friedrich (Charles Frederick) Beyer (1813 – 76)

Carl Friedrich Beyer war ein herausragender Ingenieur und erwies sich in seiner Wahlheimat England als erfolgreicher Unternehmer. Zeugnis von seinem Einfluss auf die Eisenbahntechnologie legen die vielen Beyer-Peacock-Lokomotiven ab, die Eisenbahnmuseen in ganz Europa zur Schau stellen.

Der Sohn eines Webers aus Plauen in Sachsen studierte zunächst am Polytechnikum Dresden, bevor er in den Genuss eines Reisestipendiums kam und seine Studien in England vollendete. Trotz mehrerer Arbeitsangebote aus Deutschland ließ er sich in Manchester nieder. Dort nahm er eine Anstellung im Zeichenbüro der Maschinenbaufirma Sharp, Roberts & Co. an, die seit 1837 Eisenbahnlokomotiven herstellte. 1843 wurde er Chefingenieur des Unternehmens, aber eine Missstimmung – ob beruflicher oder privater Natur, bleibt ungeklärt – ließ ihn 1853 den Dienst quittieren. Im Jahr darauf gründete er eine neue Firma. Seine Geschäftspartner waren Richard Peacock (1820-89) und Henry Robertson (1816-88), ein Schotte, der Erfahrungen im Eisenbahnbau hatte und im nordwalisischen Wrexham zudem mit Eisenhütten in Berührung gekommen war. Auch Peacock hatte als Lokomotivbauer für verschiedene Eisenbahngesellschaften eine einschlägige Karriere hinter sich. 1841 erhielt er die Oberaufsicht über das Netz der Eisenbahngesellschaft Sheffield, Ashton-under-Lyne und Manchester. Die erforderlichen Werkstätten und Lokomotivschuppen, die damals fast jeder britische Eisenbahnbetreiber in Eigenregie führte, ließ er in Gorton östlich von Manchester errichten. Gleich daneben entstand die von Beyer entworfene Maschinenfabrik der Firma Peacock, Robertson und Beyer. Dabei vertrauten die drei Geschäftspartner nicht zuletzt auf ergiebige Aufträge aus dem Ausland sowie auf die Nachfrage nach Ersatzteilen.

Tatsächlich gingen einige der ersten Lokomotiven des neu gegründeten Unternehmens nach Schweden, Spanien, Portugal und in die Niederlande. Beyer arbeitete eng mit Hermann Ludwig Lange (1837-92) zusammen, der – ebenfalls gebürtig aus Plauen – 1861 nach Manchester gekommen war, 1865 zum Chefkonstrukteur der Firma aufstieg und nach Beyers Tod dessen Posten als Chefingenieur übernahm. Die ersten Elektroloks baute das Unternehmen 1890 für die City & South London Railway. Ab 1907 entwickelte das Werk die Beyer-Garratt-Gelenklokomotive, eine Zugmaschine auf separaten Eisenbahn-Radsätzen. Die Idee dazu ging auf den britischen Ingenieur Herbert William Garratt (1864-1913) zurück, der bis 1906 für die Regierung von New South Wales in Australien tätig war. Dampfloks vom Typ Beyer-Garratt verfügten über ein hohes Fassungsvermögen an Wasser und Brennstoff und lagen überdies tief über dem Gleisbett. Das machte sie besonders in Afrika und Südamerika erfolgreich. Hochgeschwindigkeitsversionen fanden ihre Abnehmer in Spanien und im algerischen Teil der Paris-Lyon-Mittelmeer-Linie. Die letzten Beyer-Garratt-Loks wurden 1958 gebaut. Acht Jahre später stellte die Fabrik in Gorton ihren Betrieb ein.