Henry Bessemer (1813 – 98)

Der 'Bessemer-Konverter' war eine der wichtigsten technologischen Innovationen des 19. Jahrhunderts. Er ermöglichte die Herstellung großer Mengen von Baustahl, einem Material, das die Vorzüge von Gusseisen und Schmiedeeisen in sich vereinte und in praktisch allen Objekten der modernen Welt - Eisenbahnen, Schiffe, Maschinen, Brücken und Gebäude - zum Einsatz kam.

Bessemer, der vor allem für seine Leistungen im Zusammenhang mit Stahl bekannt ist, war ein professioneller Erfinder mit 129 Patenten in zahlreichen Branchen. Er stammte aus einer hugenottischen Familie von Druckern im Südosten Englands. Sein Vater, Anthony Bessemer, ging als junger Mann nach Frankreich, um für die Pariser Münzanstalt zu arbeiten, kehrte jedoch während der Französischen Revolution nach England zurück und gründete eine Typengießerei.

Nach der Grundschule bildete sich Bessemer in der Werkstatt seines Vaters weiter und experimentierte mit Drehbänken und dem Metall, aus dem Drucktypen gegossen wurden. Seine Karriere als Erfinder begann er im Alter von 17 Jahren, als sein Vater sein Geschäft nach London verlegte. Seine frühen Erfindungen beschäftigten sich mit der Galvanisierung, dem Setzschriftverfahren, der Zuckerraffinierung, der Glaserzeugung, der Bleistiftherstellung und mit einer Technik, die Papier mit Nadeln perforiert, um offizielle Dokumente zu stempeln - ein Merkmal, das zum Beispiel Pässe immer noch aufweisen. Als besonders profitabel erwies sich 1843 seine Erfindung, maschinell Bronzepulver zu einem geringeren Preis herzustellen als das handgefertigte Produkt aus Deutschland. Er kaufte ein schönes Haus und Büros in London und richtete ein großes Labor ein.

Als Bessemer während des Krimkrieges bemerkte, dass Kanonen aus Gusseisen leicht zerbrechen, beschloss er, ein besseres Material zu entwickeln. Ohne große Kenntnisse über die Eisenindustrie erprobte er eine ungewöhnliche Idee, die darin bestand, in einem offenen Tiegel - seinem "Konverter" - Luft durch geschmolzenes Eisen zu blasen. Dabei kam es zu einer heftigen Reaktion, bei der die Eisenbestandteile Kohlenstoff und Silizium oxidierten. Das Ergebnis war der neue Werkstoff Baustahl. Er erwies sich als ideal für viele Anwendungsbereiche und war in der Herstellung weitaus kostengünstiger als Schmiedeeisen.

Bessemer veröffentlichte die Entdeckung im August 1856, aber er hatte die chemische Zusammensetzung nicht verstanden. Andere Fachleute perfektionierten das Verfahren, insbesondere Robert Mushet in England, der "Spiegeleisen" (eine Ferromangan-Legierung) hinzufügte, um eine zu starke Oxidation zu verhindern, und Göran Göransson in Schweden, der den Luftstrom in den Konvertern verbesserte. 1858 eröffnete Bessemer sein eigenes Stahlwerk in Sheffield. Andere Unternehmen erwarben Lizenzen, und die Produktion auf der Grundlage dieses Verfahrens nahm rasch zu, vor allem nach 1879, als Sidney Gilchrist Thomas in Blaenavon in Wales eine Auskleidung der Konverter erfand, die es ermöglichte, gewöhnliche phosphorhaltige Eisenerze zu verwenden.

Bessemer zog sich 1873 aus der Stahlherstellung zurück und widmete sich wieder dem Erfinden, arbeitete an einem Schleifverfahren für Linsen und entwickelte ein Dampfschiff, das die Seekrankheit verringerte. 1879 wurde er zum Ritter geschlagen. In Amerika erhielten mehrere Städte den Namen Bessemer.