Tomáš Bat’a (1876 – 1932)

Das Schicksal der Firma, die Tomáš Bat'a gründete, spiegelt die politischen Umwälzungen wider, denen Mitteleuropa im 20. Jahrhundert ausgesetzt war. Das Unternehmen etablierte neue Produktionstechniken, zeigte sich gegenüber seinen Arbeitern human und ließ einige architektonisch anspruchsvolle Bauten errichten.

Tomáš Bat'a wurde in Ost-Mähren geboren, das 1876 zum österreichischen Kaiserreich gehörte, nach 1919 zur Tschechoslowakei und heute zur Republik Tschechien. Seine Familie hatte seit acht Generationen Schuhe hergestellt und auch er gründete, als er über zwanzig war, mit seinem Bruder Antonin und seiner Schwester Anna eine Firma zur Schuhproduktion. Nachdem sein Bruder 1908 gestorben war, übernahm er die Kontrolle über die Firma. Das Unternehmen verdiente während des Ersten Weltkriegs gut an der Herstellung militärischer Fußbekleidung und erreichte in den zwanziger und dreißiger Jahren seinen Zenit. Auf einer Reise nach Amerika besichtigte Bat'a Henry Fords River-Rouge-Werk in Detroit und bezog daraus neue Anregungen. Seine Fabriken expandierten, so dass die Tschechoslowakei 1930 zum weltweit führenden Exporteur von Schuhen wurde. Das Unternehmen wurde auch in Polen, Jugoslawien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten aktiv. Eine Fabrik nahe Kolkata (damals Calcutta) in Indien trug den Namen "Batankangar", ein Werk in Ontario, Kanada, nannte sich "Batawa". 1932 wurde um die Fabrik in East Tilbury in England eine Siedlung nach dem Muster der Gartenstädte angelegt. Mehrere Firmengebäude in Zlin (zwischen 1949 und 1989 Gottwaldov genannt) sind eindrucksvolle Zeugnisse des Internationalen Modernistischen Stils.

Bat'a verstand vom Marketing ebensoviel wie von der Produktion und seine Läden wurden in vielen Städten Europas und darüberhinaus ein vertrauter Anblick. Seine Preise setzte er unterhalb der runden Summen fest, also 19,99 Euro statt 20. Bat'a investierte auch in Chemikalien, Bautechnik und Gummi-Technologie und spielte eine wichtige Rolle in einer Phase, als die tschechische Industrie prosperierte.

Als Tomáš Bat'a starb, beschäftigte sein Unternehmen 31.000 Menschen. Die Zahl stieg auf 65.000 in den folgenden sechs Jahren unter der Ägide seines Halbbruders Jan Antonin Bat'a, der, da er die Verfolgung durch die Nationalsozialisten vorhergesehen hatte, in die USA floh und sich schließlich in Brasilien niederließ.

Jan Antonins Sohn Tomáš Jan Bat'a (1914-2008) zog 1939 nach Kanada um und führte den Konzern von Batawa in Ontario aus. 1946 hatte das Unternehmen 38 Fabriken, betrieb 1268 Läden, beschäftigte 34.000 Mitarbeiter und produzierte jährlich etwa 34 Millionen Paar Schuhe. Mit der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei gingen jedoch die Märkte in Osteuropa verloren. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 konnte die Firma zwar nach Zlin zurückkehren, doch während sich der osteuropäische Handel wieder belebte, entwickelten sich Schwierigkeiten in Nordamerika. Die Fabrik in Batawa schloss 2000 und die Bat'a-Läden in Kanada 2001. Nun befindet sich die Firmenzentrale in der Schweiz.