
Zeitschrift Industriekultur 4.24 stellt vier ERIH-Ankerpunkte in Polen und der Schweiz vor
Wer auf der diesjährigen ERIH-Jahreskonferenz war, kennt sie gut: die beiden Ankerpunkte Kulturzentrum EC1 und Zentrales Textilmuseum in Lódź, Polen. Gemeinsam mit zwei weiteren Ankerpunkten – dem ebenfalls polnischen Eisenbahnmuseum von Schlesien und dem Südbahn Museum in Mürzzuschlag in Österreich – zeigen sie, wie spannend und vielfältig Industriekultur sein kann. Grund genug für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Industriekultur, sie ausführlich vorzustellen.
Das rund 40.000 Quadratmeter große Gelände des Kulturzentrum EC1 gleich neben dem Hauptbahnhof von Łódź ist ein Ort, der Stadtgeschichte geschrieben hat und immer noch schreibt. 1907 ans Netz gegangen als zweitgrößtes Kraftwerk im damaligen Königreich Polen, wird der Standort zum Pulsgeber der Industrialisierung, bleibt bis zum Jahr 2000 wichtigstes Heizkraftwerk der Stadt und erlebt danach die eindrucksvolle Transformation zu einem der bedeutendsten (Industrie)Kulturzentren Europas, in dem neben einem Science & Technology Center unter anderem das Nationale Zentrum für Filmkultur logiert.
Ein weiteres Symbol der aufstrebenden Industriestadt Łódź, die „Weiße Fabrik“, war das erste vollwertige Textilwerk in Polen. Das heute dort untergebrachte Zentrale Textilmuseum gilt als eines der schönsten Denkmäler der Industriearchitektur des Landes. Mit seinem umfangreichen Maschinenpark und gleich mehreren bedeutenden Textilsammlungen stellt es rund 200 Jahre Arbeitsalltag und Textilgeschichte von Łódź bis ins Detail nach. Ein besonderes Merkmal des Museums ist die Verbindung der Technik- und Industriegeschichte mit Kunst, Design, Mode, Regionalgeschichte und Kulturanthropologie.
Zwei sich kreuzende Bahnlinien und die günstige Verkehrslage machen aus dem bis dahin unbesiedelten Jaworzyna Śląska seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Dessen Geschichte illustriert das Eisenbahnmuseum von Schlesien mithilfe einer großen Auswahl an historischen Schienenfahrzeugen und einer „Dampflok-Route“ entlang technischen Versorgungsanlagen, Drehscheibe und Rundlokschuppen. Möglich gemacht hat das auch der energische Einsatz zahlreicher Eisenbahn-Enthusiasten, die unter anderem 40 Dampflokomotiven aus polnischer, deutscher, englischer und amerikanischer Produktion fachmännisch instand setzten.
Mit einem bis dahin undenkbaren Streckenrekord – 13 Stunden und 4 Minuten von Wien nach Triest – geht die 1857 fertiggestellte Südbahn in die Eisenbahngeschichte ein. Voraussetzung war die erstmalige Überwindung der Alpen mit Schienenfahrzeugen. Dieser Leistung setzt das Südbahn Museum ein Denkmal. Sein Standort ist der Bahnhof Mürzzuschlag, wo die schweren Dampfloks stationiert waren, die in der Lage waren, Züge über den knapp 1000 Meter hohen Semmering zu ziehen. Ein paar dieser Loks sind bis heute hier zu erleben, ebenso wie ein wirklichkeitsnahes „Tunnelerlebnis“ oder berühmte Eisenbahnreisende im „Zug der Schicksale“.
ERIH-Artikel in der Zeitschirft Industriekultur:
Einst Strom und Wärme, heute Wissen. Das Kulturzentrum EC1 in Lódź
Gewebte Geschichte authentisch erzählt. Das Zentrale Textilmuseum in Lódź
Verkehrsgeschichte auf den Punkt gebracht. Das Eisenbahnmuseum von Schlesien in Jaworzyna Śląska
Eisenbahn überwindet erstmals die Alpen. Das Südbahn Museum in Mürzzuschlag