Industriekomplex Vitkovice

„Stahlherz der Republik" wurde Ostrava noch bis vor knapp 20 Jahren genannt. Gemeint ist der gewaltige Industriekomplex Dolní Vítkovice mitten in der drittgrößten Stadt Tschechiens. Die Ballung der Industriezweige ist einzigartig: Das Bergwerk Hlubina förderte die Kohle, die gleich nebenan verkokt wurde und die Hochöfen der ebenfalls unmittelbar benachbarten Eisenhütte heizte. Heute entsteht aus der Industriebrache eine neue Stadt. Wer sich einen Überblick verschaffen will, fährt am besten mit dem spektakulären Schrägaufzug auf den 70 Meter hohen Hochofen 1 oder „Bolt Tower". In der ehemaligen Maschinenhalle U6 mit ihren noch erhaltenen Großmaschinen erleben Kinder die Entwicklung vom Dampfzeitalter bis in die Gegenwart als interaktive Reise durch eine Technikwelt im Science-Fiction-Stil der Bücher von Jules Verne. Einen noch größeren Bogen spannt das neue Science-Center, das seine Besucher wie in einer Zeitmaschine durch die Natur-, Zivilisations- und Technikgeschichte führt. Auch die ehemalige Zeche zeigt sich gründlich verändert. Ihre restaurierten Gebäude beherbergen heute Konferenzen, Workshops und Kulturveranstaltungen, und im alten Gasspeicher residiert die multifunktionale Veranstaltungshalle „Gong" mit Galerie und Café.

Industriekomplex Vitkovice
Dolní oblast Vítkovice
Ruská 2887/101
706 02 Ostrava
Tschechien
+420 (0) 724 - 955121
Homepage

Geschichte

Am Beginn der Industrialisierung Ostravas steht ein Erzbischof: 1828 lässt Rudolf Johann von Habsburg hier den ersten Puddelofen errichten, um Schienen für eine neue Bahnlinie von Wien nach Galizien herzustellen. 1832 fließt das erste Eisen aus den Hochöfen, die seit 1836 – damals eine Premiere im Habsburger Reich – mit Koks beschickt werden. 1847 folgt ein Schienenwalzwerk, 1866 ein Bessemer-Stahlwerk und 1883 eine Rohrmühle. Die Energie für die Stahlproduktion liefert seit 1843 die Zeche Hlubina.

Die Finanzierung des Projekts übernimmt hauptsächlich der Bankier Salomon Mayer Rothschild. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt besitzt der wachsende Industriekomplex die für diesen Standort so charakteristische Produktionskette aus Zeche, Kokerei und Eisenhütte. Die Palette der Erzeugnisse wird innerhalb der nächsten Jahrzehnte immer umfangreicher. Sie reicht von Brückenbauteilen und Kesseln über Dampfmaschinen und Bergbauausrüstung bis hin zur technischen Ausstattung von Walzwerken. Im späteren 19. Jahrhundert steigt das örtliche Stahlwerk zum alleinigen Hersteller von Panzerplatten für die österreichisch-ungarische Marine auf. Rüstungsgüter und Munition bleiben auch weiterhin ein wichtiger Produktionszweig, seit 1906 ergänzt um die Herstellung von Stahlzylindern in hochmodernen Walzwerken. 1938 zählt das Industrieareal 18.860 Beschäftigte, 1944 sind es sogar 33.477.

1998 erlöschen die Hochöfen - nach 162 Jahren Laufzeit. Ein großer Teil der aufgegebenen Industrieanlage, darunter die Zeche Hlubina, die Koks- und Hochöfen entlang der Mistecka-Straße und das Stahl- und das Walzwerk an der Ruska-Straße sowie zahlreiche Gebäude des 19. Jahrhunderts, werden zum nationalen Kulturmonument erklärt. Die Restaurierung ist in vollem Gange. Neue Bauvorhaben wie das Technologie- und Science-Center ergänzen die historische Architektur. Heute ist Dolní Vítkovice eines der umfangreichsten Projekte seiner Art in Europa, vergleichbar etwa mit Völklingen oder Duisburg-Meiderich.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 12 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 100 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Das Außengelände ist frei zugänglich. Öffnungszeiten der touristischen Attraktionen:

Science- und Technologiezentrum (STC)
Montag - Donnerstag 10.00-18.00 Uhr
Freitag - Sonntag 10.00-20.00 Uhr

Bolt-Tower (Hochofen)
täglich 10.00-22.00 Uhr

Öffnungszeiten der weiteren Veranstaltungsbereiche: siehe Webseite

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder
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WORK it Out – Day of Industrial Culture

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