ERIH INDUSTRIEKULTUR-BAROMETER

ERHEBUNG ZUR LAGE DER INDUSTRIEKULTUR IN EUROPA

Im Jahr 2019 hat ERIH in Kooperation mit dem Regionalverband Ruhr zum zweiten Mal eine Erhebung zur Lage der Industriekultur in Europa durchgeführt. Angeschrieben wurden 325 Betreiber von industriekulturellen Standorten, von denen sich 113 aus 16 Ländern an der Umfrage beteiligten.

Warum ein Barometer?

ERIH wird immer wieder von Journalisten, Politikern und weiteren Interessierten nach Datenmaterial zur Lage der Industriekultur in Europa gefragt. Zwar erheben einzelne Standorte oder Regionen mehr oder weniger regelmäßig Daten zu unterschiedlichen Fragestellungen, aber flächendeckende Zahlen und Daten zur europäischen Industriekultur lagen bisher nicht vor.

ERIH hat Kontakt zu zahlreichen industriekulturellen Standorten in Europa; diese Kontakte können gut für eine Erhebung genutzt werden. Und der Regionalverband Ruhr (RVR) verfügt mit seinem Referat Statistik und Umfragen über jahrelange und anerkannte Expertise und Kompetenz zur Durchführung und Auswertung einer europaweiten Erhebung.

Wen haben wir wie befragt?

Aus den ERIH vielfach gestellten Fragen haben wir einen Fragenkatalog zu den Themengruppen Kerndaten, Zielgruppen, Perspektiven und Maßnahmen erstellt, der im Rahmen einer europaweiten Online-Befragung im April 2019 zum Ausfüllen bereitgestellt wurde.

Angeschrieben wurden 325 Betreiber von industriekulturellen Standorten, und zwar alle Mitglieder des ERIH e.V. sowie alle Standorte der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet.
 

DAS ERIH INDUSTRIEKULTUR-BAROMETER 2019 - ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

Von den angeschriebenen Standorten haben 113 an der Erhebung teilgenommen. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Ergebnisse der europaweiten Befragung; das vollständige Barometer finden Sie unten im Downloadbereich. Für die Route der Industriekultur im Ruhrgebiet wurde zudem eine eigene Auswertung erstellt, die bei Interesse angefordert werden kann.

Kerndaten
Von den teilnehmenden Standorten

  • steht die Hälfte im öffentlichen Eigentum, 27% werden durch private Einrichtungen, 16% durch Stiftungen und 7% in sonstiger Trägerschaft betrieben
  • haben 87% ganzjährig, 13% saisonal geöffnet
  • sind bis auf 3 alle auf öffentliche Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe zur Finanzierung des laufenden Betriebs angewiesen:
    - 39% der Einrichtungen decken weniger als 20% ihres Betriebsaufwandes durch Einnahmen ab
    - 16% der Einrichtungen können mehr als 80% ihrer Betriebskosten durch Erlöse decken
  • haben 41% 1-5 Vollzeitbeschäftigte, 15% 11-20 Beschäftigte, 7% mehr als 50 Beschäftigte

Zielgruppen
Die Einrichtungen der Industriekultur sprechen breite Bevölkerungsschichten (allgemeine Öffentlichkeit: 98%, Familien: 86%) an. Zudem verfolgen sie einen wichtigen Bildungsauftrag; für 88% der Standorte sind Schüler eine wichtige Zielgruppe. Die im Tourismus wichtigen Zielgruppen (Senioren 50+: 74%, Bildungsreisende: 65%, Junge Leute: 50% und die Mice-Gruppe: 40%) haben einen hohen Stellenwert.

Die Orte der Industriekultur verfügen aufgrund ihrer hohen Attraktivität über eine überregionale Ausstrahlung: 60% der Besucher kommen aus der Region, 30% aus dem jeweilen Land und 10% sind internationale Gäste.

Die jährlichen Besucherzahlen sind -  u.a. abhängig von Lage, Größe und Attraktivität - sehr heterogen:

  • 23% der Standorte haben weniger als 10.000 Besucher,
  • 32%   10.001 bis  25.000,
  • 25%   25.001 bis 100.000,
  • 16% 100.000 bis 500.000 und
  •  5%  500.001 bis über 1 Mio.

Generell sind die Besucherzahlen in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen.

Perspektiven
Die Betreiber der Einrichtungen sehen im Jahr 2019 überwiegend optimistisch in die Zukunft. Das eigene Angebot wird als sehr attraktiv und wettbewerbsfähig eingeschätzt.

Unter den Faktoren zur Bewertung des Ge­schäfts­­­umfeldes werden die  Besucherentwick­lung und die eige­ne Wettbewerbsfähigkeit am besten be­urteilt:

  • 61% finden die allgemeine Besucher­entwicklung gut oder sehr gut.
  • 81% sehen dies auch für die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Lediglich die Personalausstattung wird kritisch bewertet: 36% bewerten die Personalausstattung negativ oder sehr negativ.

Maßnahmen
Im Jahr 2019 sind zahlreiche Aktivitäten und Maßnahmen insbesondere zur Steigerung der Besucherzahlen und Erreichung neuer Zielgruppen, zur konzeptionellen Weiterentwicklung sowie zur Erneuerung der Dauerausstellungen und Durchführung von Sonderausstellungen geplant.

Zu den häufig genannten Einzelmaßnahmen gehören verstärkter Marketingaufwand, die Entwicklung neuer erlebnisorientierter Angebote, eine stärkere Kundenorientierung und die bessere Vermittlung des Angebots.

Bauliche Weiterentwicklungen werden an zahl­rei­chen Standorten konzipiert und umgesetzt. Hier­zu gehören bauliche Entwicklungskonzepte, die Verbesserung der Energieeffizienz und die Herstellung von baulicher und konzeptioneller Barrierefreiheit.
 

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