„Europäische Verbindungen“: Zusammenhänge sichtbar machen

Die industrielle Entwicklung Europas ist seit ihren Anfängen nicht denkbar ohne den grenzüberschreitenden Handel mit Rohstoffen und Waren, den Transfer von Wissen und Technologien und weiträumige Bevölkerungsbewegungen infolge der Migration von Arbeitskräften. Die „Europäischen Verbindungen“ rücken die Spuren und Sachzeugnisse dieser Entwicklungen in den Fokus, machen Zusammenhänge sichtbar und vermitteln so europäische Geschichte im lokalen Kontext.

Die Grundidee: Die beteiligten ERIH-Standorte lenken die Aufmerksamkeit auf Objekte, die stellvertretend für die europäische – und gegebenenfalls auch globale – Dimension der industriellen Entwicklung stehen. Kleinere Objekte können in einer prominent platzierten Vitrine ausgestellt werden, ergänzende Informationen zu größeren Objekten oder Bauten des industriekulturellen Erbes sind auch in anderer Form möglich. Idealerweise handelt es sich um Objektpaare, von denen mindestens ein Objekt einen Bezug zu einem anderen ERIH-Standort hat.

Oftmals bildet schon die Kombination aus Objekt und Ort ein interessantes Beziehungspaar, etwa technische Installationen der Marke Siemens im Umformwerk des Straßenbahnmuseums von Porto in Portugal. Das charakteristischste Beispiel für europäische Interventionen ist jedoch zweifellos der Fall Brügelmann. 1783 gründete der schwerreiche Elberfelder Kaufherr und Textilmagnat mit einem Textilwerk im rheinischen Ratingen die erste Fabrik des europäischen Festlands. Die ausgeklügelte Mechanik jedoch, die ein riesiges hölzernes Schaufelrad über wuchtige Zahnräder und schwere Transmissionsbalken in Gang setzte, hatte nicht er erfunden, sondern der Engländer Richard Arkwright. Der hatte 12 Jahre zuvor in dem mittelenglischen Dorf Cromford die erste industrielle Baumwollspinnerei der Welt errichtet. Brügelmann gelang es, Arkwrights revolutionäre Spinnmaschine heimlich nachzubauen, doch statt diesen frühen Fall von Industriespionage zu vertuschen, erwies er dem Geschäftssinn und Erfindungsgeist des englischen Unternehmerkollegen die Ehre und nannte seine Ratinger Fabrik demonstrativ Cromford. Diese Geschichte, die sich im Nachhinein wie ein Krimi liest, verbindet die beiden Orte bis heute.

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WORK it Out – Day of Industrial Culture

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