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ERIH NEWSLETTER APRIL 2020

Sonderausgabe zur Coronakrise

Das Coronavirus hält uns alle in Atem. Auch wer nicht direkt unter der Krankheit leidet, muss massive Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit in Kauf nehmen. Das Gebot des „Social Distancing“ untersagt Veranstaltungen und touristische Aktivitäten, wirft Planungen und Programme über den Haufen und macht es angesichts der raschen Ausbreitung der Pandemie unmöglich einzuschätzen, wie lang dieser europa- und weltweite Ausnahmezustand noch anhalten wird.

Die angeordneten Maßnahmen sind wichtig, um die Krankheit einzudämmen und Leben zu retten. Doch wie gehen wir mit diesem flächendeckenden „Shutdown“ um? In diesem Sonder-Newsletter wollen wir Ideen dafür anstoßen, wie wir trotz flächendeckender Standortschließungen mit potenziellen Besuchern kommunizieren können. Als größtes Industriekulturnetzwerk in Europa bietet ERIH gute Voraussetzungen dafür, neue Formate zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Darüber hinaus nutzen wir die Gelegenheit für aktuelle Informationen und News aus dem Netzwerk. Außerdem ist uns der Hinweis wichtig, dass die ERIH-Geschäftsstelle wie gewohnt erreichbar ist.

Die Themen des Newsletters in Einzelnen:

  • ERIH virtuell: Umfrage zu digitalen Erlebnisangeboten der ERIH-Standorte
  • ERIH/ EU: EU-Maßnahmen zur Unterstützung des Kultursektors
  • ERIH/ Corona: Gutscheine gegen die Einnahmeverluste
  • ERIH-Netzwerk: #stayathome nutzen, um Aktivitäten vorzubereiten
  • ERIH Save the Date: Update zur aktuellen Terminplanung

ERIH virtuell: Umfrage zu digitalen Erlebnisangeboten der ERIH-Standorte

Noch vor wenigen Wochen hätte das niemand für möglich gehalten: In Europa sind so gut wie keine Touristen mehr unterwegs. Das entzieht auch den ERIH-Standorten die Geschäftsgrundlage und zwingt sie, ihre Einrichtungen auf unabsehbare Zeit zu schließen. Gleichzeitig hat sich die soziale Kommunikation weitgehend auf Online-Kanäle verlagert. Immer mehr Kulturinstitutionen gehen denselben Weg: Sie streamen geplante Veranstaltungen, nutzen und entwickeln innovative Online-Formate und bleiben so bei Besuchern und Interessenten präsent. Jüngstes Beispiel ist der Internationale Museumstag im Mai, der in diesem Jahr digital zelebriert wird.

ERIH-Standorten bieten sich gleich mehrere Möglichkeiten, um sich mit unentgeltlichen digitalen Erlebnisangeboten ins Gespräch zu bringen. Das generiert zwar keine Einnahmen, trägt aber zu einer größeren Online-Reichweite bei und erhöht damit die Chancen für einen gelungenen Neustart nach dem Ende der Coronakrise. Welche Online-Formate stehen zur Verfügung? Eine Auswahl:

  • Laufende Motoren: Maschinen im Schaubetrieb sind oft Höhepunkte von Führungen oder Events. Natürlich lebt das auch von sinnlichen Eindrücken wie Gerüchen, die sich online nicht nachempfinden lassen. Trotzdem: Dabei zu sein, wenn sich eine historische Maschine in Bewegung setzt, ist auch im Film ein Erlebnis – erst recht, wenn gleichzeitig jemand auf spannende Weise den historischen Kontext und die Funktionsweise erklärt.
     
  • Oral History: Viele Industriedenkmäler und -museen lassen in ihren Ausstellungen Zeitzeugen sprechen und machen so die Geschichte eines Industriezweigs, einer Fabrik oder eines Bergwerks lebendig. Warum nicht solche Inhalte in Zeiten von #stayathome öffentlich zugänglich machen?
     
  • Industriekultur (live) erklärt: Mitarbeitende stellen ihre Lieblingsobjekte vor; die Museumsleitung nimmt die Zuschauer mit auf eine Extraführung durch das Industriedenkmal/ die aktuelle Sonderausstellung oder erläutert geplante Erlebnisangebote; ein Q&A-Format beantwortet typische Fragen, die bei Führungen gestellt werden; eine (digitale, vielleicht sogar standortübergreifende) Talk-Runde diskutiert regelmäßig Fragen zum Standort, zu bestimmten Ausstellungen oder zum Industrietourismus... Das alles kann, muss aber nicht live passieren, zum Beispiel auf Facebook.
     
  • Industriekultur interaktiv: Viele Menschen haben plötzlich viel Zeit und suchen nach Unterhaltung für sich (und ihre Kinder). Bastelspiele wie Ausmalbögen mit industriekulturellen Motiven oder eine Quizserie zur Funktion bestimmter Objekte aus der eigenen Sammlung könnten passende Angebote sein. Beliebt sind auch Fotoquizspiele, die zum Beispiel einen kleinen Ausschnitt einer zu erratenden Maschine oder eines Gegenstandes zeigen. Eine weitere Möglichkeit: ein Fotowettbewerb mit Publikums-Voting, um etwa das schönste Motiv eines bestimmten Industriedenkmals zu küren. Im Fall eines Gewinnspiels könnte einer der Preise ein oder mehrere Gratistickets für die nächste Ausstellung oder die Nach-Corona-Zeit sein.

Teilweise werden diese oder ähnliche Online-Formate schon von ERIH-Standorten angeboten. Dabei wird viel experimentiert. ERIH könnte dabei helfen, verschiedene Formate im Netzwerk zu teilen, die Erfahrungen damit zu bündeln und allen zugänglich zu machen. In diesem Newsletter wollen wir genau das anstoßen. Dazu haben wir eine Umfrage vorbereitet. Gefragt wird nach Erfahrungen und Plänen im Hinblick auf Online-Aktivitäten, aber auch nach Gründen, warum Standorte bisher vielleicht nicht online aktiv geworden sind.

ERIH-Online-Umfrage
Bitte füllen Sie das Online-Formular bis zum 18. April 2020 aus - je mehr Mitglieder an der Umfrage teilnehmen, desto größer ist am Ende der Gewinn für alle. Wir werden die Antworten anschließend so schnell wie möglich aufbereiten und zugänglich machen und damit einen hoffentlich lebendigen Austausch starten.

zur ERIH-Online-Umfrage

ERIH-Facebook-Account
Außerdem teilen wir ab sofort auf dem ERIH-Facebook-Account alle Online-Aktionen, von denen wir erfahren. Schicken Sie uns dazu am besten eine Direktnachricht inkl. Link zu der Aktion via Facebook Messenger. Wenn das schwierig sein sollte, freuen wir uns auch hier über eine Benachrichtigung – ebenfalls bitte unbedingt inkl. Link zu der Aktion – per E-Mail an presse@erih.net  
zum ERIH-Facebook-Account


ERIH/ EU: EU-Maßnahmen zur Unterstützung des Kultursektors

Ratlosigkeit und die Entschlossenheit, dem Shutdown etwas Kreatives entgegenzusetzen – das umschreibt die Stimmung im Kultursektor vielleicht am besten. Egal ob Institution oder private Initiative, Ensemble oder einzelner Performer: Ohne Publikum geht es nicht. Trotzdem oder gerade deshalb gibt es viele und oft originelle Ideen, mit der neuen Situation umzugehen, und nicht umsonst boomen Life-Formate und Streamings aller Art.

Darauf setzt das EU-Kulturförderprogramm Creative Europe mit dem Hashtag #CreativeEuropeAtHome. Wenn das Publikum nicht zu uns kommen kann, so die Devise, kommen wir eben zum Publikum. Angesprochen sind alle, die eine Creative-Europe-Förderung erhalten, also auch ERIH-Standorte. Das soll nicht nur eine Ermutigung zu einer neuen „Netzkultur“ sein, sondern besonders den kleineren Akteuren größere Sichtbarkeit verschaffen.
zur #CreativeEuropeAtHome-Kampagne


ERIH/ Corona: Gutscheine gegen die Einnahmeverluste

NEMO - The Network of European Museum Organisations hat soeben die Ergebnisse einer Umfrage zu den Folgen der COVID-19-Pandemie für Museen veröffentlicht. Demnach beklagen vor allem größere Museen und Museen in Tourismus-Hotspots einen Einnahmenverlust von 75 bis 80 Prozent. Um diese Verluste auszugleichen, haben einige Länder Notfallfonds für Kultureinrichtungen aufgelegt beziehungsweise planen, dies zu tun. Diese Fonds decken in erster Linie Personalkosten und andere laufende Ausgaben. Demgegenüber mussten die meisten Museen die Arbeit mit Freiwilligen bereits weitgehend einstellen, und vielerorts steht auch die Zusammenarbeit mit Freiberuflern und Selbstständigen auf der Kippe.
zu den Ergebnissen der NEMO-Umfrage

Wo Notfallfonds fehlen und auch sonst keine finanzielle Unterstützung in Sicht ist, könnten Gutscheinregelungen eine Lösung sein. In Deutschland hat die Regierung vor wenigen Tagen einen entsprechenden Beschluss zur Unterstützung der Tourismus- und Kulturbranche gefasst und will dafür sogar geltendes EU-Recht ändern lassen. Auch lokale und regionale Akteure wollen mit Gutscheinen populäre Kulturbetriebe und Gaststätten vor der Insolvenz bewahren. Beispiele dafür sind die Berliner Initiativen 'Kiezhelfer' und 'Rette Deine Lieblingsorte'. Andernorts in Europa gibt es sicher ähnliche Online-Aufrufe. Neben der Aussicht auf finanzielle Entlastung bieten sie den Vorteil, dass sie das kulturell interessierte Publikum nachhaltig aktivieren. Beides kommt auch ERIH-Standorten zugute.


ERIH-Netzwerk: #stayathome nutzen, um Aktivitäten vorzubereiten

WORK it OUT: Tanztutorial weiterleiten
Aufgrund der Schließung von Museen und Schulen kann das europaweite Tanzevent nicht wie vorgesehen am 1. Mai stattfinden. Aktuell planen wir, das Event später im Jahr an den teilnehmenden ERIH Standorten durchzuführen. Sollte das nicht möglich sein, erarbeiten wir ein virtuelles Format. Musik und Choreographie sind ja bereits entwickelt. Vielleicht haben die Tänzer Lust, #stayathome zu nutzen und jetzt schon mal die Tanzschritte zu üben? Unser Vorschlag: Leiten Sie doch einfach das Tanz-Tutorial an Ihre Tanzgruppen und Schulen weiter. Herzlichen Dank.
zum Tutorial-Video 
 


Linking Europe: Jetzt online Partner suchen
Was verbindet den Königin-Louise-Stollen im polnischen Zabrze mit dem Dudley-Kanal in England? Welcher englische Eisenbahnpionier baute eine der Dampfloks, die am 5. Mai 1835 Belgiens erste Bahnlinie einweihten? Und wie kommt es, dass die Maschinenhäuser in der spanischen Bergbauregion Linares exakt so aussehen wie Maschinenhäuser in Cornwall?

Schon im letzten ERIH-Newsletter haben wir das Projekt 'Linking Europe' in Erinnerung gerufen. Es zeigt anhand praktischer Beispiele, wie international Europas Industrialisierung war und wie sehr sich das auch in den ERIH-Standorten widerspiegelt – vorausgesetzt, die Besucher erfahren davon. Dafür bietet 'Linking Europe' den Rahmen: Eigens für diesen Zweck entwickelte Stelen oder Aufsteller erzählen die Geschichte eines bestimmten Objekts oder Aspekts, deren „Biografie“ die grenzüberschreitenden Verflechtungen greifbar macht. Alle „Links“ werden dauerhaft in unserer virtuellen Ausstellung dargestellt.
zur virtuellen Ausstellung "Linking Europe"
mehr über das "Linking Europe"-Projekt

Wer an seinem Standort eine Linking-Europe-Geschichte erzählen möchte und noch keinen potenziellen Partnerstandort im europäischen Ausland identifiziert hat, kann Informationen dazu ab sofort per Mail an webmaster@erih.net schicken. Die Suche wird dann umgehend auf der ERIH-Website veröffentlicht.

Aktuell suchen wir folgende Hinweise bzw. Partnerstandorte:

  • Welches Museum außerhalb Ungarns besitzt Eisenbahnfahrzeuge mit Rädern aus der Produktion der 'Gießerei Ganz & Cie.' in Budapest?
  • Welches (Textil-)Museum stellt in seiner Ausstellung Krempelmaschinen vor, die von der 'Sächsischen Maschinenfabrik zu Chemnitz, vorm. Richard Hartmann' hergestellt wurden?

Save the date: Update zur aktuellen Terminplanung

WORK it OUT
Die internationale ERIH-Tanz-Performance WORK it OUT am 1. Mai muss wegen der Coronakrise leider verschoben werden. Sobald es einen neuen Termin gibt, teilen wir ihn hier im Newsletter und auf Facebook mit.

ERIH-Deutschland-Treffen
Verschoben werden muss auch das für den 11. und 12. Mai 2020 im ERIH-Ankerpunkt August-Horch-Museum in Zwickau geplante ERIH-Deutschland-Treffen. Auch hier melden wir uns, sobald die Entwicklung der Covid-19-Pandemie das zulässt.

ERIH Jahreskonferenz
Die Vorbereitungen für die ERIH-Jahreskonferenz vom 7. bis 9. Oktober 2020 im ERIH-Ankerpunkt Industriemuseum in Gent, Belgien, laufen weiter. In der Hoffnung, dass wir die Veranstaltung planmäßig durchführen können, veröffentlichen wir demnächst den Call for Papers.  


Stand weiterer Veranstaltungen zum Thema Industriekultur(tourismus)

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