Zitadelle

Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707), der in Diensten Ludwigs XIV. stand, war vielleicht der größte Militärbaumeister Europas. Zwischen 1667 und seinem Tod sorgte er dafür, dass 300 Städte ihre Befestigungsanlagen grundlegend ausbauten und modernisierten. Außerdem baute er 37 Festungen, unter denen die Zitadelle von Besançon zu den spektakulärsten gehört. Seit 1667 bekleidete er die Funktion des königlichen Generalbevollmächtigten für den Festungsbau (Commissaire-général des fortifications) und erhielt als Auszeichnung die Ernennung zum Marschall von Frankreich.

Besançon, die Hauptstadt der Franche-Comté, wurde 1674 von einer französischen Armee unter der Führung Vaubans belagert. Nachdem Ludwig XIV. durch den Vertrag von Nijmegen 1678 die Franche-Comté in seinen Machtbereich eingliedern konnte, beauftragte er Vauban mit dem Ausbau der Befestigungsanlagen. Die Stadt liegt auf einem Vorgebirge und ist auf drei Seiten von einer Flussschleife des Doubs umgeben. Vaubans Zitadelle erlaubte es den Verteidigern, etwaige Angriffe aus jeder Richtung rechtzeitig zu erkennen und den Gegner mit schwerem Kanonenfeuer zu belegen. Die Zitadelle erstreckt sich über eine Gesamtfläche von elf Hektar und umfasst sechs mit Kanonen bewehrte Türme, die den Fluss kontrollieren, außerdem eine 1682 gegründete Kadettenschule, ein Waffenarsenal mit umfangreichen Einrichtungen zur Instandhaltung der Artillerie-Waffensysteme, ein Munitionsdepot sowie einen 132 Meter tiefen Brunnen aus dem Jahr 1692, dessen Kran mit Tretmühle von einem Mann bedient werden konnte. Der Brunnen enthielt Brackwasser, ansonsten stützte sich die Wasserversorgung der Stadt auf Regenwasser-Zisternen.

Schautafeln erläutern Vaubans Festungsanlage wie auch ihre Geschichte in späterer Zeit. Besucher können die gesamte Wallanlage zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit Rollschuhen erkunden. Im Ersten Weltkrieg erlitt die Zitadelle keine Zerstörungen, im Zweiten Weltkrieg dagegen richtete das Vichy-Regime hier ein Gefängnis ein, in dem mehr als 100 Widerstandskämpfer exekutiert wurden. 1944 eroberten amerikanische Truppen die Stadt. Heute beherbergt die Festung ein Museum zur Geschichte der Résistance und der Massendeportationen. Die 20 Räume veranschaulichen das Leben unter dem Vichy-Regime und der deutschen Besatzung. Eine Abteilung widmet sich der Verschleppung der französischen Juden und ein Informationszentrum ermöglicht es Besuchern, Auskünfte über deportierte oder in der Widerstandsbewegung aktive Familienmitglieder zu recherchieren.

Besançon fungiert zudem als Hauptsitz des Netzwerks der bedeutendsten Vauban-Standorte (Réseau des sites majeurs Vauban), eines Verbands aus zwölf Städten beziehungsweise Festungsanlagen, in denen sich umfangreiche Zeugnisse des großen Baumeisters erhalten haben. Der Verband gründete sich 2005, 2008 folgte die Anerkennung der zwölf Mitglieder als UNESCO-Welterbestätten. Die zwölf Standorte – Arras, Besançon, Blaye/Cussac-Fort-Médoc, Cameret-sur-Mer, Longwy, Mont Daufin, Mont Louis, Neuf-Brisach, Saint-Martin-de-Ré, Saint Vaast-la-Houge und Villefranche-de-Conflent – sind über ganz Frankreich verstreut und repräsentieren Festungsanlagen in Bergregionen, in Hafenlage und im städtischen Kontext.

Zitadelle
Citadelle de Besançon
99 Rue des Fusillés de la Résistance
25042 Besançon
Frankreich
+33 (0) 381 - 873333
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