Ziegeleipark Mildenberg

Einsteigen bitte! Da steht schon die historische Feldbahn. Bei einer Rundfahrt durch den Ziegeleipark Mildenberg bei Zehdenick in Brandenburg erhalten Sie einen Überblick. Oder haben Sie Lust die klassische Führung „Wie ein Ziegelstein entsteht“ mitzumachen? Diese verfolgt den Weg vom Ton zum Ziegel durch das vergangene Jahrhundert. Am Anfang steht die Arbeit des Ziegelstreichers. Bis in die 1920er Jahre streicht er den Ton an langen Tischen in hölzerne Doppelformen und lässt die Rohlinge an der Luft trocknen. Packer, Einschieber und Ofensetzer befördern sie anschließend in die Ringöfen, Brenner sorgen für die jeweils richtige Temperatur, Auskarrer und Packer verladen die fertigen Ziegel auf Havelschiffe Richtung Berlin. Weitere Highlights im Park: die gewaltige, noch funktionstüchtige Dampfmaschine der ersten automatisierten Ziegelei in der Region, alte Werkstätten mit Schmiede, Lokschlosserei und Tischlerei anno 1900 und ein Ziegelwerk aus DDR-Zeiten. Nicht zu vergessen: die „Feldbahn- & Dampflokschau“. Für Kinder gibt es einen riesigen Abenteuerspielplatz, und Naturliebhaber finden – ob zu Fuß, per Rad oder in der gemütlichen Lorenbahn – reichlich Erholung an den vielen Seen, die die Tongruben in der Umgebung hinterlassen haben.

Geschichte

Abendstimmung. Der Ruf der Großen Rohrdommel klingt wie ein Nebelhorn durch die Dämmerung. Angler fischen nach Hecht und Barsch, Badende erfrischen sich im sauberen Wasser ehemaliger Tongruben, an der Havel baut ein Biber seine Burg. Kaum zu glauben, dass hier noch vor wenigen Jahrzehnten Dutzende Ringöfen schwarzen Rauch aus ihren Schornsteinen spieen und Eimerkettenbagger die Erde aufrissen, um den begehrten Zehdenicker Ton abzubauen. Dessen umfangreiche Lagerstätten förderte 1887 erst der Eisenbahnbau zu Tage. Gut zwei Jahrzehnte später war daraus Europas größtes Ziegeleigebiet entstanden – mit 57 Ringöfen und einer Jahresproduktion von 625 Millionen Mauerziegeln. Ursachen der rasanten Entwicklung: die hohe Qualität des örtlichen Tons, die Havel als Transportweg und der Bauboom in der nahen Hauptstadt Berlin. Bis zu 5000 Menschen schufteten in der Zehdenicker Ziegelindustrie, viele von ihnen kamen aus dem Lipper Land, später aus Schlesien. Sie hausten in so genannten Zieglerkasernen, stachen den Ton mit messerscharfen Spaten in offenen Gruben und verarbeiteten ihn in der Ziegelei weiter. Solange die Ziegel vor dem Brand an der Luft getrocknet wurden, war das ein Saisongeschäft – von April bis Oktober. Erst die Fabrikbetriebe seit den 1920er Jahren verfügten über künstliche Trockenanlagen und machten die Produktion von der Witterung unabhängig. Etwa zeitgleich lösten Eimerkettenbagger die mühevolle Handarbeit in den Tongruben ab. Der heutige Ziegeleipark Mildenberg beherbergt auf 42 Hektar zwei denkmalgeschützte Großziegeleien, deren eine noch bis 1991 in Betrieb war. Die erhaltenen Ringöfen, Maschinen und sonstigen Anlagen bilden ein spannendes Museum, das den wechselvollen Werdegang der regionalen Ziegelindustrie mit geführten Touren durch die artenreiche Natur des Zehdenicker Seengebiets verbindet. Wie sehr diese Tonstichlandschaft auf menschliche Einflüsse zurückgeht, zeigt ein Abstecher mit der Lorenbahn in den modernen Tontagebau.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 4 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 90 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

April bis Oktober:
täglich 10.00-18.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Führungen für Kinder

Diese Webseite nutzt Cookies