Zaanse Schans

Knarrende Windmühlen, grün gestrichene Holzhäuser, bucklige Brücken. Dazu frisch geschnitzte Holzschuhe und Stapel gelber Käselaiber. Und überall Wasser! Zaanse Schans, das ist Holland wie aus dem Bilderbuch. Besser: ein Stück Holland, wie es im 17. und 18. Jahrhundert ausgesehen hat. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Windkraft bestimmt den Arbeitsrhythmus, sägt Holz, zermahlt Kreiden zu farbigem Pulver und preßt Nüsse zu wohlschmeckendem Öl. Was heute so beschaulich aussieht, war einmal ein unübersehbares Industriegebiet, das erst durch die Erfindung der Dampfmaschine an Bedeutung verlor. Tausend und mehr Windmühlen produzierten tausend und mehr Waren für die nahegelegene Handelsmetropole Amsterdam. So bekannt war das Wirtschaftszentrum an den Ufern des Zaan, daß 1697 sogar der russische Zar kam – inkognito, um so viel wie möglich über den Schiffbau zu lernen. Zaanse Schans hält die Erinnerung an die frühindustrielle Vergangenheit wach – nicht als Freilichtmuseum, sondern als betriebsames und traditionsbewußtes Dorf mit Museen, Läden und Werkstätten. Das beste Panorama dieser kleinen Welt bietet eine Bootsfahrt über den Zaan.

Geschichte

Torf war jahrhundertelang der einzige Reichtum von Zaanstreek, der moorigen Flußlandschaft an den Ufern des Zaan. Doch gleich nebenan wuchs Amsterdam zur Weltstadt heran und entwickelte einen enormen Warenhunger. Plötzlich rückte Zaanstreek in den Mittelpunkt des Interesses. Denn in dem flachen Landstrich gab es außer Torf etwas noch viel Wertvolleres: Wind! Gerade rechtzeitig, im Jahr 1594, hatte der Erfinder Cornelis Corneliszoon von Uitgeest die Konstruktion der Windmühle revolutioniert, indem er sie mit einer Kurbelwelle ausstattete. Das steigerte die Arbeitsleistung um ein Vielfaches, und aus jeder Windmühle wurde eine kleine Fabrik. Mehr als tausend davon wuchsen in Zaanstreek während des 17. und 18. Jahrhunderts aus dem Boden. Sie sägten Holz, droschen Getreide, preßten Korn und Nüsse zu Öl, mahlten Farbpulver aus Kreiden und Schnupftabak aus Tabakblättern. Alle Sorten von Handwerkern siedelten sich an, darunter Zinngießer, Bootsbauer, Segelmacher und nicht zuletzt jener Gerrit Kist, der vorübergehend als Schmied am Hof des Zaren in Moskau gearbeitet hatte und sich später rühmen durfte, den russischen Herrscher für eine Woche in seiner Kate in Zaanstreek beherbergt zu haben. Der Zar kam sozusagen als Industriespion, denn damals war die Gegend als innovativer Wirtschaftsstandort weithin bekannt. Heute gilt sie als eines der ältesten Industriegebiete Europas. Von den zahllosen Windmühlen, die einst das Landschaftsbild prägten, sind zwölf erhalten. Fünf davon stehen in Zaanse Schans – allesamt instandgesetzt und mahlend und sägend wie eh und je. Die traditionellen Holzhäuser des Dorfes stammen mehrheitlich aus der näheren und weiteren Umgebung. Sie wurden hierher versetzt, weil sie anderswo vom Abriß bedroht waren, und veranschaulichen die Entwicklung der niederländischen Wohnarchitektur in der Phase der frühen Industrialisierung. Zaanse Schans liegt wie eine Insel in der Zeit. Die Menschen, die hier leben, bewahren ein spannendes Erbe.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:2 Stunden
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt:ja
Museumsshop:ja

täglich von 09.00-17.00 Uhr

  • Führungen möglich

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