Welterbe Salzbergwerksmuseum Wieliczka

Plötzlich umgibt den Besucher eine Welt aus Salz tief unter der Erde: Kilometerlange Stollen, gewundene Treppen, turmhohe Hallen, aus Salz gemeißelte Figurengruppen und Reliefs im Kronleuchterschein unterirdischer Kapellen, die größte hölzerne Bergbaumaschine der Welt, eine luxuriöse Grubenbahn des 19. Jahrhunderts für königliche Besucher, wundersam geformte Salzsäulen und Salzkristalle und grünlich schimmernde Salzseen säumen den Weg durch die Unterwelt. Das heißt, eigentlich sind es drei Wege: die bequeme, 2,5 Kilometer lange „Touristenroute“, die unter anderem die 36 Meter hohe und mit einem Panoramalift ausgestattete Staszic-Halle passiert, die 1,5 Kilometer lange „Museumsroute“ in 135 Metern Tiefe, die die Entwicklung des Salzbergbaus von einfachen Keilen und Spitzhacken bis hin zu monströsen Elektrobohrern verfolgt, und die „Bergarbeiterroute“, eine abenteuerliche Expedition in bisher noch nicht zugängliche Winkel der Mine. Kein Wunder, dass das Salzbergwerk Wieliczka Welterbe-Status hat, genauso übrigens wie die benachbarte historische Burg mit ihrer einzigartigen Sammlung von Salzstreuern und einem Kellergewölbe, das die Spuren der örtlichen Salzgewinnung bis in die mittlere Steinzeit zurückverfolgt.

Geschichte

Schon Goethe und Chopin staunten über die gewaltige Ausdehnung des Salzbergwerks Wieliczka. Zu jener Zeit hatten nur Herrscher, Aristokraten, Künstler und Wissenschaftler Zutritt zu der Mine, die ihnen mit Musik und Feuerwerk einen festlichen Empfang bereitete. Knapp 100 Jahre später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, kamen schon rund 4.000 Besucher. Heute liegt ihre Zahl bei zwei Millionen jährlich – Tendenz weiterhin steigend.

Dieser Erfolg hat viel mit der langen Geschichte der örtlichen Salzgewinnung zu tun. Schon um 3.500 v. Chr. hinterlassen die ersten Salzsieder ihre Spuren, und den Beinamen „Magnum Sal“ (Großes Salz) trägt der Ort seit dem hohen Mittelalter. Mit der Entdeckung der reichen Steinsalzvorkommen Mitte des 13. Jahrhunderts werden aus Salzsiedern Bergleute. Nun geht alles Schlag auf Schlag: 1290 erhält Wieliczka Stadtrechte, etwa gleichzeitig entsteht die Firma „Krakauer Salzbergwerke“, die während der nächsten 500 Jahre die Salzvorkommen in Wieliczka und im benachbarten Bochnia ausbeutet. Der Gewinn fließt in die Kassen des polnischen Königs und macht im 14. Jahrhundert ein Drittel der Staatseinnahmen aus. Im 17. Jahrhundert fördern rund 2.000 Bergleute mehr als 30.000 Tonnen Salz im Jahr. In diese Zeit gehört das gewaltige Göpelwerk, das heute die größte erhaltene Bergförderanlage aus Holz darstellt.

Ingenieure der Österreichisch-Ungarischen Monarchie modernisieren und erweitern das Salzbergwerk im 18. Jahrhundert im großen Stil und installieren 1861 die erste Dampfmaschine sowie eine unterirdische Grubenbahn, die zunächst von Pferden, ab 1889 von Dampfloks gezogen wird. Die Elektrifizierung der Mine beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis zur Stilllegung 1996 erreicht das Bergwerk seine größte Ausdehnung mit 245 Stollenkilometern auf neun Ebenen, 327 Metern maximaler Tiefe, 2.391 Salzkammern und 26 Schächten. Das Museum, dessen Sammlung auf den polnischen Maler Alfons Długosz zurückgeht, residiert in der Burg Wieliczka, die vom 13. Jahrhundert bis 1945 Sitz der Bergwerksverwaltung war.

Empfohlene Aufenthaltsdauer:3 Stunden
Dauer einer geführten Tour:90 Minuten
Eintritt:kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang:bitte Hinweise auf Webseite beachten
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Museumsshop:ja
  • Nur mit Führungen
  • Fremdsprachliche Führungen
  • Führungen für Kinder

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