Welterbe Radiosender Grimeton

Im Zeitalter des Mobiltelefons ist fast jeder Ort der Erde in Sekundenschnelle erreichbar. Dabei ist es noch keine 100 Jahre her, dass drahtlose Kommunikation den Bau gewaltiger technischer Anlagen erforderte. Anschaulichstes Beispiel: die 1924 fertig gestellte Radiostation in Grimeton bei Varberg an der schwedischen Südwestküste. Insgesamt sechs 127 Meter hohe Antennentürme stehen im Abstand von 380 Metern in der offenen Landschaft. Sie überragen ein schmuckvolles Stationsgebäude im neoklassizistischen Stil und sieben Wohnhäuser für die Belegschaft. Herzstück des imposanten Technikmonuments ist der letzte noch funktionsfähige Maschinensender der Welt. Er kommt ganz ohne Elektronik aus – die war noch nicht erfunden. Stattdessen verlieh ein Generator den Radiowellen jenen Schwung, den sie brauchten, um Morsenachrichten mit Lichtgeschwindigkeit nach Amerika zu tragen. Das war einmal eine Sensation. Heute ist Grimeton der einzige betriebsfähige Längstwellensender, der noch genauso aussieht wie zu seiner Bauzeit. Selbst das alte Stationsauto gibt es noch, ein sorgfältig polierter Chevrolet aus dem Jahre 1931. 2004 wurde die Radiostation in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

Geschichte

2. Juli 1925: Der schwedische König Gustav V. lässt es sich nicht nehmen, die Funkstation Grimeton persönlich einzuweihen. Mit ihm reist der schwedische Elektroingenieur Ernst Alexanderson zum Festakt an. Er hat zu diesem Zeitpunkt längst Karriere in den Vereinigten Staaten gemacht hat und kann auf eine Fülle von Patenten zurückblicken. Zu seinen bahnbrechendsten Erfindungen gehört der Alexanderson-Sender, ein Wechselstromgenerator für Funktelegrafie über Langwelle. Erst diese Maschine macht es möglich, mit Radiowellen große Entfernungen zu überbrücken. Zeitweise bilden etwa 20 Alexanderson-Sender ein weltumspannendes Funknetzwerk.

Grimeton war seit 1925 einer davon. Über die flache Landschaft gelangten die Radiowellen ohne Hindernis zur Meerenge des Skagerrak, gewannen jenseits von Schottland das offene Meer und erreichten schließlich die Empfangsstation auf Long Island, New York. Mit sich trugen sie in Morsezeichen übersetzte Telegramme, die New Yorker Telegrafisten wieder in Sprache verwandelten und von Telegramm-Boys im ganzen Land verteilen ließen. Adressaten gab es in Amerika genug. Ende des 19. Jahrhunderts hatten ganze Ströme von Auswanderern Schweden verlassen, um in den Vereinigten Staaten ihr Glück zu suchen. Verwandte und Freunde ließen sie oft für immer in der Heimat zurück. Die drahtlose Funkverbindung via Grimeton bot erstmals die Möglichkeit, rasch und zuverlässig Botschaften und Neuigkeiten auszutauschen. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das neutrale Schweden dank Grimeton gar zu einem bedeutenden Nachrichtenstützpunkt. Erst durch den Siegeszug der Elektronenröhre verloren die Maschinensender an Bedeutung. Danach dienten sie fast nur noch militärischen Zwecken. In den 1980er Jahren verstummte Grimeton. 1996 wurde die ausgezeichnet erhaltene historische Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Für Besucher geht der Alexanderson-Sender – weltweit der letzte seiner Art – an bestimmten Tagen immer noch in Betrieb. Seine Morsebotschaften können in ganz Europa empfangen werden.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 50 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Juni bis August:
täglich 10.00-17.00 Uhr
Mai und September:
Samstag, Sonntag 10.00-15.00 Uhr

  • Führungen möglich
  • Fremdsprachliche Führungen

Diese Webseite nutzt Cookies