Welterbe Ir. D.F. Wouda Dampfpumpstation

Ein Fest der Technik – das ist die Maschinenhalle der Wouda Dampfpumpstation bei Lemmer in Friesland. Blitzend und blinkend wie am ersten Tag stehen die vier Doppel-Dampfmaschinen mit ihren gewaltigen Schwungrädern und den je zwei Zentrifugalpumpen da. Helles Licht flutet durch die großen Fenster herein und gibt den Blick auf das IJsselmeer frei. Die sorgfältig geziegelten Wände tragen an ihrem Sockel einen Fries aus verschiedenfarbigen Keramikfliesen, auf denen sich die Holztafeln mit penibel daran aufgehängtem Werkzeug wie ein zusätzliches Schmuckelement ausnehmen. Auf vier Holzschränken stehen polierte Ölkannen aus Messing wie feine Teeservice auf einem Tablett. Das alles ging 1920 in Betrieb und hat sich seitdem praktisch nicht verändert. Dabei kommt dieses Technikjuwel immer noch zum Einsatz – als Unterstützung der modernen Elektropumpwerke bei Sturm und Wellengang. Seinen Stellenwert als Weltkulturerbe hat sich dieses größte Dampfpumpwerk der Welt also redlich verdient. Wie es seit fast 100 Jahren dazu beiträgt, dass die Polder trocken bleiben und die Friesen keine nassen Füße bekommen, erzählt gleich nebenan ein innovatives Besucherzentrum nach allen Regeln der interaktiven Museumskunst.

Welterbe Ir. D.F. Wouda Dampfpumpstation
Ir. D.F. Woudagemaal
Gemaalweg 1
8531 PS Lemmer
Niederlande
+31 (0) 514 - 561814
Homepage

Geschichte

Sagenhafte vier Millionen Liter Wasser pro Minute pumpt das Woudagemaal, das Wouda-Schöpfwerk, aus Frieslands Poldergräben zurück ins IJsselmeer. Für die nordniederländische Provinz, die im Durchschnitt einen halben Meter unter dem Meeresspiegel liegt, war das viele Jahrzehnte lang eine Überlebensfrage. Als Königin Wilhelmina das Schöpfwerk 1920 feierlich einweihte, ehrte sie damit zugleich eine technische Meisterleistung, die weltweit Maßstäbe setzte. Federführend für die Konstruktion war der niederländische Bauingenieur Dirk Frederik Wouda, nach dem die Anlage bis heute benannt ist. Sie besteht im Kern aus der Pumpstation samt Kesselraum, Schornstein und Kohlespeicher. Vier mit Schleusentoren ausgestattete Entwässerungskanäle leiten das Wasser ins IJsselmeer. Die Kapazität reichte bis 1966 aus, um ganz allein den Pegel von Friesland zu regulieren. Danach übernahmen elektrisch betriebene Werke in der Umgebung die Hauptpumplast. Aber immer dann, wenn schwere Stürme das Ijsselmeer in die Polder drücken, werden die Kessel des Woudagemaal wieder angeheizt. Diese vier Kessel sind zugleich die einzigen Bestandteile der Anlage, die zwischenzeitlich erneuert und 1967 auf Ölfeuerung umgestellt wurden. Bis dahin erhielt das Pumpwerk seine Energie ausschließlich aus Kohle und – nach dem Zweiten Weltkrieg – zeitweise sogar aus Torfballen.

Die Dampfmaschinen und Kreiselpumpen stammen aus der Maschinenfabrik Jaffa in Utrecht und tun, wie auch die Gebäude, nach wie vor unverändert ihren Dienst. Die Architektur ist dabei mehr als nur eine bauliche Hülle. Im expressionistischen Stil der "Amsterdamer Schule" verleiht sie dem Schöpfwerk die Monumentalität eines Palastes. Das gilt erst recht für die Innenansicht der Maschinenhalle, die Technik und Fortschrittsglauben gekonnt in Szene setzt. Das benachbarte Besucherzentrum erläutert sehr anschaulich die technischen Details und zeigt das Schöpfwerk als wichtigen historischen Baustein in einem großflächigen System aus Deichen, Landgewinnungsflächen und Wasserpumpanlagen.

Empfohlene Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
Dauer einer geführten Tour: 45 Minuten
Eintritt: kostenpflichtig
Barrierefreier Zugang: vollständig
Angebote für Kinder:
Gastronomie:
Besucherzentrum beim Objekt: ja
Museumsshop: ja

Ganzjährig (außer im Januar) geöffnet
Juli, August:
Montag - Samstag 10.00-17.00 Uhr, Sonntag 13.00-17.00 Uhr
September bis Juni:
Dienstag - Samstag 10.00-17.00 Uhr, Sonntag 13.00-17.00 Uhr

Die Besichtigungstouren der Pumpstation starten im Besucherzentrum.
Kostenlose Audiotouren werden in 9 Sprachen angeboten.

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