Tuchmachermuseum

400 Jahre lang war die 22 Kilometer nordwestlich von Osnabrück gelegene Stadt Bramsche ein Zentrum der Textilproduktion. Das lag im Wesentlichen an dem Flusslauf der Hase, der die nötige Wasserkraft für Mühlen an seinen Ufern lieferte. Bis 1849 waren diese Mühlen Eigentum der Bischöfe von Osnabrück, danach gingen sie in den Besitz der Tuchmachergilde über. Im 18. Jahrhundert war Bramsche bekannt für robuste Wollstoffe, die mithilfe einer von dem Thüringer M. H. Wolff (1709-81) eingeführten Technologie rot gefärbt wurden und den britischen und hannoveraner Truppen als Uniformtuch dienten. Unter der Ägide der Osnabrücker Bischöfe mahlten die Mühlen Getreide, bearbeiteten Leder, pressten Öl aus Samen und sägten Holz. In dieser Zeit stand nur ein Wasserrad für den Antrieb von Textilmaschinen zur Verfügung. Ab 1849 konzentrierten die Tuchmacher alle verfügbare Antriebsenergie an einem Ort und ersetzten später die Wasserkraft durch Dampfmaschinen. Der gesamte Prozess der Textilherstellung vollzog sich nun fast ausschließlich in der Fabrik, während die Heimarbeit in Bramsche kaum noch eine Rolle spielte.

Die Fabrik schloss 1972, was die Entfernung der meisten Maschinen zur Folge hatte. Dennoch erlebte der Ort eine Renaissance als Museum. 1997 öffnete es seine Pforten, ausgestattet mit Maschinen des frühen 20. Jahrhunderts, die von anderen Fabrikstandorten hierher gebracht worden waren. Die Ausstellung illustriert die Geschichte der Textilherstellung von ihren frühesten Anfängen an und zeigt in diesem Zusammenhang auch einige seltene aus Holz gefertigte Maschinen, wie sie im frühen 19. Jahrhundert in der Heimarbeit Verwendung fanden. Im Erdgeschoss stoßen die Besucher auf automatische Spinnmaschinen zur Herstellung von Wollgarnen, im ersten Stock folgen Webstühle zum Weben der Tuche. Die weiteren Produktionsschritte veranschaulichen Werkstätten mit Walkmaschinen oder Vorrichtungen für andere Veredelungsverfahren. Am Schluss des Rundgangs steht die Färberei.

Den Höhepunkt des Museums bildet eine Abteilung, die mithilfe von Briefen, Gemeindedokumenten, Familientraditionen und Fotos das Leben von sieben Menschen rekonstruiert, die innerhalb eines Zeitraums von 250 Jahren in der örtlichen Textilproduktion beschäftigt waren. Johann Heinrich Reffelt (1773-1829) beginnt als Lehrling und arbeitet sich zu einem der bedeutendsten Tuchmacher der Stadt empor. Gesche Thole, die von Bremen nach Bramsche zog, um den Besitzer der Tuchfabrik zu heiraten, führt durch die Epoche der Industriellen Revolution. Henrich Storch beschreibt die Schwierigkeiten, denen sich ein kleiner Tuchmacher zur Zeit des preußisch-französischen Kriegs 1870-71 gegenübersah. Herman Thole, Lehrling in den Jahren 1884-87, schildert das Leben in Bramsche im Frühstadium des deutschen Kaiserreichs. Auguste Werner träumte um 1900 den nie erfüllten Traum von der Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Der Unternehmer Arnold Surendorf-Wonning gründete in den 1920er Jahren seine eigene kleine Fabrik am Stadtrand von Bramsche. Und Dorothea Landefeld, die in den 1960er Jahren angelernt wird, bezeugt den Niedergang der Textilindustrie in Bramsche.

Das Museum ist Ausgangspunkt für Rundgänge durch den historischen Stadtkern von Bramsche. Außerdem bietet sich dem Besucher ein Netzwerk von Fahrrad- und Wanderwegen, von denen einer auf der Krone benachbarter Deiche entlangführt und den Blick auf weidende Schafe freigibt – die Nachfolger jener Tiere, die die historischen Tuchmacher der Stadt einst mit Rohmaterial versorgten.

Tuchmachermuseum
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Deutschland
+49 (0) 5461 - 945116
Homepage

Diese Webseite nutzt Cookies