Transport Museum London

Das vielschichtige Londoner Verkehrssystem wurzelt in seit dem frühen 19. Jahrhundert eingesetzten Pferdebuslinien und den etwas später entstandenen, in Deckelbauweise errichteten Untergrundbahnen. Deren erste, die Metropolitan Railway (Metro) zwischen Paddington und Farringdon, feierte 1863 Eröffnung. Im späteren 19. Jahrhundert vermehrten sich diese Unterpflasterbahnen rasant, bis 1900 die City and South London Railway in Betrieb ging. Sie war die erste tief unter der Erde in so genannten tubes (Tunneln) verlegte Untergrundbahnlinie, deren technische Umsetzung durch den von James Henry Greathead (1844-96) entwickelten Tunnelbauschild möglich geworden war. 1912 übernahm die Metrogesellschaft Metropolitan District Railway das Busunternehmen London General Omnibus Co. und vereinnahmte zwei Jahre später auch diverse Untergrundbahnlinien.

1933 vereinigten sich sämtliche U-Bahn-, Bus- und Straßenbahnbetreiber unter dem Dach des London Passenger Transport Board (Direktorium für Personenverkehr), das unter Frank Picks (1878-1941) engagierter Geschäftsführung in London eines der besten städtischen Verkehrsnetze der Welt schuf. Pick legte Wert auf qualitätvolle Gestaltung und studierte zu diesem Zweck Vorbilder in Deutschland und den Niederlanden. Er veranlasste die Entwicklung eines neuen Schriftbilds für alle Formen der Unternehmenskommunikation, führte in den Bussen Streckenschilder mit der Angabe des Fahrtziels ein und initiierte die Kennzeichnung der Bushaltestellen mit betonierten Schildern einschließlich Frontplatte für den Aushang der Fahrpläne. Zudem hielten unter seiner Ägide Fahrkartenautomaten in Untergrundbahnhöfen Einzug sowie sorgfältig konzipierte Wegsysteme zur Vermeidung der schlimmsten Fußgängerstaus. Pick engagierte den Architekten Charles Holden (1875-1960) für den Entwurf von U-Bahnhöfen im modernistischen Stil. Vorbilder waren die architektonischen Lösungen des Niederländers Willem Marinus Dudek (1884-1974). Mehr als 40 dieser Bahnhöfe stehen heute unter Denkmalschutz.

Das Verkehrsmuseum befindet sich seit 1980 in einem früheren Blumenmarktgebäude anno 1871 in Covent Garden. Im Oktober 2007 wurde es nach umfangreicher Neugestaltung wiedereröffnet. Zu seinen herausragenden Objekten gehört No 23, eine 2’B-Tenderdampflokomotive der Firma Beyer Peacock Baujahr 1863, die mit Kondensatoren für den Einsatz in Untergrundbahnen ausgestattet war, jedoch gegen Ende ihrer Dienstzeit bis in die 1930er Jahre nur noch in den ländlichen Außenbezirken des Londoner Stadtbahnnetzes Verwendung fand. Ebenfalls Teil der Fahrzeugsammlung sind eine 1884 aus den Vereinigten Staaten importierte Pferdestraßenbahn, ein Motorbus Typ B (technisch angelehnt an Henry Fords Model-T-Automobil) anno 1910 sowie ein Obus aus dem Jahr 1931. Frank Picks sehr anspruchsvolle Vorstellung von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ist der Grund dafür, dass das Museum darüber hinaus eine Sammlung von mehr als 5.000 Plakaten mit Werbung für die Londoner Verkehrsbetriebe sein Eigen nennt. Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung widmet sich dem Einfluss von Bahn und Bus auf die Entwicklung und Ausbreitung der Vorstädte.

Das Museum verfügt über ein großes Nebengebäude nahe der U-Bahnstation Acton Town in West-London. Dort lagern rund 370.000 Objekte, darunter Straßenfahrzeuge und komplette U-Bahnzüge. Das Depot ist mehrmals im Jahr zu vorher angekündigten Terminen auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Transport Museum London
39 Wellington Street
WC2E 7BB London
Vereinigtes Königreich
+44 (0) 207 - 73796344
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